Kämpfe um syrische Stadt Aleppo : Erneut Krankenhaus angegriffen: Mindestens 19 Tote

Bei einem Raketenangriff auf den von Regierungseinheiten kontrollierten Teil Aleppos soll auch ein Krankenhaus getroffen worden sein. Mindestens 19 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter offenbar auch drei Kinder.

Bereits Ende April hatte ein Luftangriff ein Krankenhaus im von den Rebellen besetzten Gebiet in Aleppo getroffen.
Bereits Ende April hatte ein Luftangriff ein Krankenhaus im von den Rebellen besetzten Gebiet in Aleppo getroffen.Foto: Reuters

Ungeachtet internationaler Friedensbemühungen eskalieren die Kämpfe in der syrischen Großstadt Aleppo. Mindestens 19 Menschen wurden nach Angaben aus dem Umfeld der Opposition am Dienstag getötet, als von Rebellen abgefeuerte Raketen in einem Krankenhaus einschlugen, das in einem von Regierungseinheiten kontrollierten Teil der Stadt liegt. Unter den Toten seien drei Kinder, teilte die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte weiter mit. 80 Menschen seien verletzt worden. Die Totenzahl werde wohl steigen, da sich viele Opfer in kritischem Zustand befänden. Die syrische Armee sprach von einem großangelegten Angriff aufständischer Gruppen, auf den entsprechend reagiert werde. Auf von Rebellen gehaltene Teile Aleppos wurden nach Informationen der Beobachterstelle drei Luftangriffe geflogen. Dabei sollen ebenfalls Menschen getötet worden sein.

Versuche, die auf Eis liegenden Syrien-Friedensgespräche in Genf wieder in Gang zu bringen und die eigentlich seit Februar geltende Waffenruhe vor einem endgültigen Scheitern zu bewahren, dürften durch die Eskalation nicht leichter werden. Der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura traf sich dazu in Moskau mit Außenminister Sergej Lawrow, um den wichtigsten Syrien-Verbündeten Russland dafür zu gewinnen, die allgemeine Waffenruhe wieder zu festigen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier lud De Mistura und den syrischen Oppositionschef Riad Hidschab für Mittwoch zu einem Gespräch nach Berlin ein. Auch Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault sollte teilnehmen. Dabei geht es um die Frage, wie die Bedingungen für eine Fortsetzung der Friedensgespräche geschaffen werden können.

Die Waffenruhe ist schon länger brüchig


Die allgemeine Waffenruhe erweist sich seit einiger Zeit als zunehmend brüchig. Auch deshalb drohte die Opposition damit, in Genf vorerst nicht mehr weiterzuverhandeln. Seit vergangener Woche wurden zusätzliche lokal und zeitlich begrenzte Feuerpausen ausgerufen, unter anderem für Damaskus und eine angrenzende Region. Doch auch aus der Region um die Hauptstadt wurden in der Nacht Zwischenfälle gemeldet.

Vor allem umkämpft aber ist Aleppo. Erst vergangene Woche waren Dutzende Menschen bei einem Angriff auf ein Krankenhaus in einem Rebellengebiet getötet worden. Die USA und Deutschland vermuteten, dass syrische Regierungseinheiten für den Luftangriff verantwortlich waren. Die Führung in Damaskus hatte dies jedoch zurückgewiesen. Wer wiederum das Krankenhaus am Dienstag beschoss, war ebenfalls unklar. Die syrische Armee erklärte, der Al-Kaida-Ableger Nusra Front sei an den Angriffen beteiligt gewesen. Diese Gruppe ist von den Friedensgesprächen und den Waffenruhe ebenso wie die besonders radikale Miliz Islamischer Staat (IS) ausgeschlossen.

Nach Angaben der Armee gingen die Angriffe vom Dienstag aber auch auf das Konto der Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Nach russischen Angaben haben sie enge Verbindungen zum IS und zur Al-Kaida. Dschaisch al-Islam gehört aber auch zum wichtigsten syrischen Oppositionsbündnis, dem Hohen Verhandlungskomitee. Ahrar al-Scham zählt nicht zu dem Bündnis, die ultraorthodoxe Salafisten-Gruppe war aber bei der bislang letzten Verhandlungsrunde in der Schweiz dennoch vertreten. (rtr)

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