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Kämpfe und Tote in Syrien : Der ganz kurze Waffenstillstand

Auch die von Vermittler Brahimi ausgehandelte Pause im Blutvergießen in Syrien hält nur wenige Stunden.

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Der Krieg geht weiter: Ein Soldat der Rebellen auf der Flucht vor Heckenschützen.
Der Krieg geht weiter: Ein Soldat der Rebellen auf der Flucht vor Heckenschützen.Foto: REUTERS

Die von UN-Vermittler Lakhdar Brahimi ausgehandelte viertägige Waffenruhe zwischen Armee und Rebellen während des Opferfestes Eid al Adha ist in einigen Regionen Syriens bereits nach wenigen Stunden zusammengebrochen. Wie die in London ansässige „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ berichtete, gab es in den Vororten von Damaskus und nahe einer Militärkaserne zwischen Damaskus und Aleppo heftige Kämpfe, bei denen mindestens acht Menschen starben. In der Hauptstadt kamen am Freitag nach Angaben von Aktivisten bei einem Autobombenanschlag einige Menschen ums Leben. In Zentralsyrien nahe der libanesischen Grenze sowie im Norden nahe der türkischen Grenze brachen ebenfalls Gefechte aus. In anderen Städten nutzten die Menschen die Morgenstunden nach dem Frühgebet erstmals wieder für Anti-Regime-Demonstrationen. Auf Videos waren teilweise große Ansammlungen zu sehen, die Fahnen der Aufständischen schwenkten und Parolen gegen Baschar al Assad skandierten: „Verräter gib auf, du hast Syrien zerstört“, „Syrien will die Freiheit“ und „Baschar, dein Sturz wird kommen“. In mehreren Städten schossen Kräfte des Regimes mit scharfer Munition in die Menge und verletzten zahlreiche Demonstranten.

Präsident Baschar al Assad zeigte sich im syrischen Staatsfernsehen beim Festtagsgebet zum Opferfest in der Al-Afram-Moschee in Damaskus zusammen mit zahlreichen hohen Repräsentanten seines Regimes. Der Diktator wirkte entspannt, nach dem Gottesdienst schüttelte er anderen Moscheebesuchern die Hände. Der Imam forderte in seiner Predigt ein Ende des Konflikts. „Seht ihr nicht, was seit zwei Jahren in diesem Land passiert ist? Zerstörung und Tod, das muss gestoppt werden“, rief er aus. Der TV-Kommentator der Übertragung nannte Assad „einen Führer, der nichts unversucht lässt, um Syrien zum Leuchten zu bringen“.

Kämpfe in der syrischen Stadt Harem.
Kämpfe in der syrischen Stadt Harem.Foto: Reuters

Das Opferfest gilt als das höchste und wichtigste Fest des Islam. In Erinnerung an Abraham, der bereit war, auf Gottes Befehl hin seinen Sohn Jakob zu opfern, werden in der gesamten muslimischen Welt Tiere geschlachtet und das Fleisch an die Armen verteilt. Gleichzeitig nutzen Familien die Festtage zu Verwandtschaftsbesuchen, aber auch zu ausgiebigen Einkäufen.

In Syrien hatten am Vorabend der Festtage sowohl die Führung der aufständischen „Freien Syrischen Armee“ als auch das Oberkommando der Armee dem Waffenstillstand zugestimmt. Assads Generäle behielten sich das Recht vor, auf Bomben oder Rebellenangriffe zu reagieren. Die „Freie Syrische Armee“ verlangte im Gegenzug für Freitag die Freilassung tausender Gefangener. Radikale Regimegegner, wie die Al-Nusra-Front und Ansar al Islam, lehnten jede Waffenruhe ab.

Bislang sind nach Zählung von Menschenrechtsorganisationen in dem seit 20 Monaten andauernden Konflikt mindestens 35 000 Menschen getötet worden, darunter 8 000 Soldaten. Schätzungsweise zwei Millionen Menschen befinden sich innerhalb des Landes auf der Flucht, eine weitere Million hat sich bisher in den Nachbarländern in Sicherheit gebracht. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen will – falls möglich – die Waffenpause nutzen, um Lebensmittelpakete an ausgebombte Familien zu verteilen. Schon einmal, am 12. April dieses Jahres, hatte der erste UN-Vermittler Kofi Annan einen Waffenstillstand ausgehandelt, der ebenfalls nach wenigen Stunden zusammenbrach. Zuvor, zum Jahreswechsel, hatte eine Beobachtermission der Arabischen Liga das Blutvergießen stoppen sollen. Doch nach einem Monat gab die Organisation den Plan wieder auf, weil die Gewalt in Syrien wuchs. Der aktuelle UN-Sonderbeauftragte Brahimi will in der kommenden Woche um weitere Unterstützung in Moskau werben, dem größten Verbündeten von Assad.

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