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Kämpfe wieder aufgeflammt : Dutzende Tote im Osten der Ukraine

Bei neuen Kämpfen in der Ostukraine sind binnen 24 Stunden mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Zudem setzten beide Seiten wieder schwere Waffen ein. Der Vatikan gab unterdessen bekannt, dass der Papst den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen wird.

Die Kämpfe im Osten der Ukraine nehmen kein Ende. Foto: dpa
Die Kämpfe im Osten der Ukraine nehmen kein Ende.Foto: dpa

Bei den wieder aufgeflammten Kämpfen im Osten der Ukraine sind binnen 24 Stunden mindestens 24 Menschen getötet worden. Wie ein Berater des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, Juri Biriukow, am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite mitteilte, wurden bei den Gefechten mit den prorussischen Aufständischen fünf Soldaten getötet. Ein Vertreter der selbstausgerufenen Volksrepublik Donezk, Eduard Bassurin, vermeldete über die Nachrichtenagentur der Rebellen den Tod von 14 Rebellenkämpfern und fünf Zivilisten.

Die Aufständischen in der Ostukraine hatten nach Angaben der ukrainischen Armee am Mittwoch einen groß angelegten Angriff auf die Regierungstruppen gestartet. Gekämpft wurde nahe der Kleinstadt Marjinka rund 20 Kilometer westlich der Rebellenhochburg Donezk. Die Aufständischen bestritten, eine Offensive gestartet zu haben. Sie bestätigten aber, dass es in der Nähe von Marjinka Kämpfe gebe.

Präsident Petro Poroschenko warnt vor neuer Ausweitung

Poroschenko warnte am Donnerstag vor einer erneuten Ausweitung der Kämpfe in der Ostukraine. Die Gefahr, dass "russische Terrorgruppen" wieder "groß angelegte Militäraktionen" starteten, sei weiter "riesengroß", sagte er in einer Rede vor dem Parlament in Kiew. Seinen Angaben zufolge sind derzeit mehr als 9000 russische Soldaten in der Ukraine im Einsatz. Die EU-Kommission verurteilte die jüngsten Kämpfe im Osten der Ukraine. Die Auseinandersetzungen in der Nähe der Kleinstadt Marjinka seien "die schwerste Verletzung" des im Minsker Friedensabkommen vereinbarten Waffenstillstands seit Februar, sagte eine Kommissionssprecherin am Donnerstag in Brüssel. Die Kämpfe drohten, eine "neuen Spirale der Gewalt und menschlichen Leids auszulösen".

OSZE-Beobachter bestätigten am Donnerstag zudem den Einsatz von verbotenen Waffen im Kriegsgebiet. Prorussische Separatisten hätten schwere Artillerie im Gebiet Donezk bewegt, teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Donnerstag mit. Die ukrainische Militärführung habe sie zudem informiert, einen Angriff der Aufständischen mit schweren Geschützen erwidert zu haben.

In dem Konflikt starben bisher mindestens 6400 Menschen

Die Rückkehr großkalibriger Waffen ins Frontgebiet ist ein Rückschlag für den Friedensplan von Minsk. Vertreter der Regierung in Kiew und der prorussischen Separatisten hatten unter internationalem Druck im Februar dort ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Seitdem hat die Gewalt zwar abgenommen, beendet wurde sie aber nicht. Die Umsetzung der in der weißrussischen Hauptstadt vereinbarten Schritte zur Überwindung der Krise kommt kaum voran. Insgesamt wurden in dem Konflikt in den vergangenen 14 Monaten nach UN-Angaben mehr als 6400 Menschen getötet und mehr als eine Million Menschen in die Flucht getrieben.

Papst Franziskus trifft den russischen Präsidenten Wladimir Putin

Papst Franziskus empfängt in der kommenden Woche den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Vatikan. Das Treffen findet am kommenden Mittwoch statt, wie der Vatikan am Donnerstag bekanntgab. Es ist die zweite Begegnung des Papstes mit dem Kreml-Chef und die erste Zusammenkunft seit dem Beginn des Ukraine-Konflikts. Die erste Audienz Putins im Vatikan seit dem Amtsantritt Franziskus' stand im Zeichen des Bürgerkriegs in Syrien. Franziskus und Putin riefen bei dem Treffen im November 2013 zu einer diplomatischen Lösung des blutigen Konflikts auf.

Der Kreml hatte am Montag angekündigt, dass Putin in den kommenden Tagen nach Mailand reisen werde, um dort die Weltausstellung Expo zu besichtigen. Der Vatikan äußerte sich bislang zurückhaltend zu dem Konflikt in der Ukraine. Der Papst warnte zwar vor einem "Krieg zwischen Christen". Die mit Rom verbundenen Katholiken, in der Minderheit gegenüber den orthodoxen Christen in der Ukraine, verlangten allerdings eine direkte Verurteilung der russischen Haltung in dem Konflikt. AFP/dpa

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