Kaesong : Nordkorea schließt gemeinsamen Industriepark für alle Südkoreaner

Der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich weiter zu. Im Streit um den gemeinsam betriebenen Industriekomplex Kaesong auf nordkoreanischem Gebiet erwägt Südkorea nun eine Militäraktion, um die Sicherheit der südkoreanischen Pendler zu gewährleisten.

Südkoreanische Lastwagen auf der Rückkehr, nachdem ihnen die Einreise zum Industriepark Kaesong verweigert wurde.
Südkoreanische Lastwagen auf der Rückkehr, nachdem ihnen die Einreise zum Industriepark Kaesong verweigert wurde.Foto: AFP

Die wachsenden Spannungen zwischen Nord- und Südkorea beeinflussen nun auch die symbolträchtige wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder. Pjöngjang untersagte südkoreanischen Arbeitern am Mittwoch nach Angaben aus Seoul die Einreise in den gemeinsam betriebenen Industriekomplex Kaesong. Rund 860 noch dort anwesende Südkoreaner sollen den Norden verlassen dürfen, sagte ein Sprecher des Vereinigungsministeriums in Seoul.

Südkorea dagegen betonte, seine in Kaesong verbliebenen Staatsbürger notfalls mit einer Militäraktion befreien zu wollen. Es sei ein Notfallplan erarbeitet worden, erklärte Verteidigungsminister Kim Kwan Jin am Mittwoch. Sollte sich eine „ernste Lage“ ergeben, sei auch eine Militäraktion denkbar, um die Sicherheit der südkoreanischen Arbeiter zu gewährleisten. Es sollte allerdings versucht werden, zu vermeiden, dass sich die Situation „zum Schlimmsten“ zuspitze, fügte der Minister hinzu.

Wie lange die Sperre andauern soll, war zunächst unklar. Zuletzt war südkoreanischen Arbeitern im März 2009 wegen eines US-südkoreanischen Manövers kurzzeitig die Einreise verweigert worden. Nach einem Tag wurde die Sperre wieder aufgehoben.

Seoul hatte am Mittwoch zunächst mitgeteilt, dass die bislang täglich erteilte Einreiseerlaubnis für 484 Südkoreaner nicht vorliege. Üblicherweise überqueren die südkoreanischen Arbeiter um 08.30 Uhr Ortszeit (01.30 Uhr MESZ) die Grenze. Der Betrieb in dem gemeinsam von Nordkorea und Südkorea unterhaltenen Industriekomplex läuft trotz der seit Wochen verstärkten Spannungen zwischen beiden Ländern weiter, allerdings hatte Pjöngjang mit einer Schließung gedroht. In dem Komplex arbeiten rund 53.000 Nordkoreaner für 120 südkoreanische Firmen. Der Betrieb wurde auch am Mittwoch zunächst nicht unterbrochen.

Der Industriekomplex liegt in Nordkorea etwa zehn Kilometer von der Grenze zu Südkorea entfernt. Er wurde 2004 als Projekt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der beiden Staaten gegründet. Während der vorangegangenen Krisen auf der koreanischen Halbinsel hatten beide Seiten stets darauf geachtet, das Symbolprojekt nicht dauerhaft zu beschädigen. Seit einem nordkoreanischen Atomtest im Februar sind die Spannungen zwischen den beiden Ländern, die sich seit 1953 formell noch im Kriegszustand befinden, stark angewachsen.

Zuletzt hatte Pjöngjang am Dienstag angekündigt, seinen Reaktor in Yongbyon wieder in Gang zu setzen, was seinem Atomwaffenprogramm Auftrieb geben könnte. Daraufhin prangerte US-Außenminister John Kerry die „unannehmbare Rhetorik der nordkoreanischen Regierung in den vergangenen Tagen“ an. „Die USA werden Nordkorea als Atommacht nicht akzeptieren“, sagte Kerry nach einem Treffen mit seinem südkoreanischen Kollegen Yun Byung Se in Washington. Die USA würden „sich selbst und Südkorea verteidigen“, bekräftigte Kerry.

Zugleich forderte der US-Außenminister weitere Verhandlungen über die atomare Abrüstung Nordkoreas. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärt, Verhandlungen seien der einzige Weg, die „bereits zu weit gegangene Krise“ zu beenden. In den vergangenen Tagen hatten die USA hochmoderne Kampfjets nach Südkorea beordert, darunter Tarnkappenbomber und zwei atomwaffenfähige B-52-Bomber. Am Dienstag gab das US-Verteidigungsministerium bekannt, dass die US-Marine zwei Zerstörer in den Pazifik entsandt hätten. Beide Schiffe sind mit Vorrichtungen zur Raketenabwehr ausgerüstet. (AFP)

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