Politik : Käßmann schließt Rückkehr aus

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Hannover - Plötzlich brandet der Applaus auf, die Menschen im Saal stehen auf. Margot Käßmann, bis Ende Februar Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, betritt den Raum. Sie setzt sich vor einen grauen Vorhang, auf den gleichen Platz, an dem sie saß, als sie vor fast genau elf Jahren, im Juni 1999 zur Bischöfin gewählt wurde. Für viele im Saal ist sie das immer noch, trotz der verhängnisvollen Nacht im Februar, als Margot Käßmann mit 1,54 Promille Alkohol am Steuer ihres VW Phaetons von der Polizei Hannover angehalten wurde, und anschließend von ihren Ämtern zurücktrat.

„Du bleibst unsere Bischöfin der Herzen“, sagt der Präses der Synode, Jürgen Schneider. Seine Rede muss er an dieser Stelle unterbrechen, so lang ist der Applaus. Doch eine Rückkehr in das Bischofsamt oder auch das Amt der Ratsvorsitzenden der EKD schließt Margot Käßmann aus. „Der Mitarbeitervertretung danke ich herzlich für die Initiative, mich von der Synode erneut zur Bischöfin wählen zu lassen“, sagt Margot Käßmann. Mit Plakaten und einer extra für diesen Zweck gedichteten „Margot-Käßmann- Hymne“ hatten Kirchenmitarbeiter und Gemeindeglieder am letzten Sonntag nach Käßmanns erstem Gottesdienst seit dem Rücktritt für eine Rückkehr demonstriert. Käßmann schließt das aus: „Du kannst nicht in ein Amt zurückkehren, von dem Du selbst zurückgetreten bist.“ Vor den Kirchenparlamentariern bezeichnet sie ihren Rücktritt als „mit Blick auf das Amt und auf meine Person angemessene und damit richtige Entscheidung“.

So schnell, wie Margot Käßmann in den Tagungsraum gekommen ist, ist sie auch wieder weg: Stehender Applaus, ein Händedruck mit dem Synodenpräses, ein Blumenstrauß – und dann steigt Margot Käßmann in den Phaeton, und fährt weg. Und die Mitglieder des Kirchenparlaments stehen vor der Aufgabe, nach einem Nachfolger zu suchen. Benjamin Lassiwe

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