Kairo-Rede : Obama fordert neuen Anfang

US-Präsident Barack Obama hat in der Kairo-Universität der islamischen Welt einen Neubeginn versprochen. Der Kreislauf des Misstrauens soll durchbrochen werden. Gleichzeitig warnte er vor Stereotypen über die USA und forderte die Bekämpfung des Extremismus. Die Zuhörer bedachten den Präsidenten am Ende mit Standing Ovations.

Obama
US-Präsident Barack Obama. -Foto: dpa

KairoAuf diese Rede, die Barack Obama bereits während seines Wahlkampfs angekündigt hatte, hatte die islamische Welt mit Spannung gewartet. Am Donnerstagmittag war es soweit: In der traditionsreichen Kairoer Universität wandte sich der US-Präsident an alle Muslime und versprach ihnen, mit den problematischen Hinterlassenschaften seines Vorgängers George W. Bush, vor allem mit dem Krieg im Irak und der Misshandlung von Gefangenen, aufzuräumen.

Das "Misstrauen und Zwietracht zwischen dem Westen und der islamischen Welt" müssten beendet werden, sagte Obama vor 2500 geladenen Gästen. "Gewalttätige Extremisten haben diese Spannungen ausgenutzt." Und so hätten die Anschläge vom 11. September 2001 und die Taten der Extremisten bei vielen Amerikanern den "falschen Eindruck" erweckt, dass die islamische Welt dem Westen und den Menschenrechten feindselig gegenüberstehe.

Gleichzeitig warnte der 48-Jährige die islamische Welt auch vor "groben Stereotypen" über sein Land. Die USA seien keineswegs eine "eigennützige Imperialmacht", sondern eine der "großartigsten Quellen des Fortschritts in der Welt", die es je gegeben habe. Die Vereinigten Staaten seien dem Ideal der Gleichheit der Menschen verpflichtet, dafür habe Amerika in den Jahrhunderten viel gekämpft und Kriege geführt. Die Gültigkeit der amerikanischen Werte zeige sich in der Tatsache, dass ein Afro-Amerikaner mit dem Namen Barack Hussein Obama zum Präsidenten gewählt werden konnte. Dieser Traum der unbegrenzten Möglichkeiten gelte auch für die fast sieben Millionen Muslime in den USA.

"Wandel kann nicht über Nacht kommen"

"Solange wir aber unser Verhältnis über unsere Differenzen definieren, werden wir die stärken, die Hass säen", sagte der Präsident weiter. Die Spannungen seien auch in jüngerer Zeit genährt worden durch einen "Kolonialismus, der die Rechte und Möglichkeiten vieler Muslime verweigert habe". In diesem "kalten Krieg" seien islamische Länder lediglich benutzt worden, ungeachtet ihrer eigenen Wünsche. 

Diese Zeiten seien nun aber beendet. Obama, der Zitate aus dem Koran in seine Rede einfließen ließ, versprach der islamischen Welt einen "neuen Anfang" in den Beziehungen zum Westen. "Denn es gibt keine Konkurrenz zwischen den beiden Welten, sondern sie teilen gemeinsame Prinzipien wie die der Toleranz und der Menschenwürde". Er rief die Muslime dazu auf, sich mit den USA gegen die Extremisten des Terrornetzwerks al-Qaida zu verbünden. "Der Islam ist nicht Teil des Problems, wenn es darum geht, den gewalttätigen Extremismus zu bekämpfen. Er ist vielmehr ein wichtiger Bestandteil der Förderung des Friedens".

Dieser Wandel in den Beziehungen könne aber "nicht über Nacht" kommen. Auch könnten "Jahre des Misstrauens" nicht mit einer Rede ausgelöscht werden. Notwendig seien eine neue Offenheit und die Bereitschaft, sich gegenseitig zuzuhören, voneinander zu lernen und der Wahrheit verpflichtet zu bleiben.

Obama fordert erneut Stopp des israelischen Siedlungbaus

Obama würdigte darüber hinaus den enormen Beitrag des Islam für die Zivilisation. Nicht nur, weil er selbst als Kind persönlich wichtige Erfahrungen mit dem Islam machen konnte, sei es seine "Verantwortung als Präsident der USA, negative Stereotypen über den Islam zu bekämpfen". Im Atomkonflikt mit dem Iran forderte er die Führung in Teheran erneut zu Verhandlungen auf. Ohne Zweifel belaste eine wechselhafte Geschichte die Beziehungen zwischen dem Iran und den USA, sagte Obama. Allerdings dürften beide Seiten nicht in der "Falle der Vergangenheit" gefangen bleiben. Die USA suchten einen Neubeginn, jetzt müsse auch Teheran dazu seine Bereitschaft zeigen

Auch den Nahost-Konflikt sparte der Präsident in seiner mehrfach von starkem Applaus unterbrochenen Rede nicht aus. Er betonte die Rechte der Palästinenser und forderte erneut einen Stopp des israelischen Siedlungsbaus. Es gebe keine Alternative zu einer Zwei- Staaten-Lösung im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. "Israel muss das Existenzrecht Palästinas anerkennen". Die USA seien nicht bereit, den Ausbau jüdischer Siedlungen in den besetzten Gebieten zu akzeptieren. Dennoch betonte er, das Band, das Amerika mit Israel verbinde, werde nie zerreißen. Gefordert seien auch die arabischen Staaten, ihren Beitrag zum Friedensprozess zu leisten. Die USA könnten dem Nahen Osten keinen Frieden aufzwingen, betonte Obama.

An die Adresse der Palästinenser sagte er: "Hamas muss die Gewalt beenden, frühere Vereinbarung respektieren und das Existenzrecht Israels anerkennen". Nur so können sie eine Rolle spielen bei der Erfüllung der Hoffnungen der Palästinenser und nur so könne das palästinensische Volk wieder geeint werden. Er riet dem palästinensischen Volk, mit friedlichen Mittel für ihre Rechte zu kämpfen. Er verglich ihre Situation mit der Lage der schwarzen Bevölkerung in Südafrika unter dem Apartheidsregime. "Es ist kein Zeichen von Mut oder Macht, wenn man Raketen auf schlafende Kinder abschießt oder wenn man alte Frauen in einem Bus in die Luft sprengt". Obama erinnerte auch an das Elend in den palästinensischen Flüchtlingslagern und die "täglichen Erniedrigungen", unter denen die Palästinenser in den besetzten Gebieten litten. "Es gibt keinen Zweifel: die Lage der Palästinenser ist nicht hinnehmbar."

Nächster Halt: Dresden

Im Anschluss an seine Rede will Obama auch ein Gespräch mit Journalisten aus mehreren islamischen Ländern führen. Dieses Gespräch und die Tatsache, dass der Präsident zu seiner Rede auch mehrere bekannte Kritiker Mubaraks eingeladen hat, zeigt, dass er nicht nur das Gespräch mit den arabischen Herrschern sucht, sondern auch mit der Bevölkerung. Er erfüllt damit eine Forderung arabischer Oppositioneller und Menschenrechtler, die Washingtons Unterstützung für die undemokratischen Regime der Region stets kritisiert hatten.

Die Anhänger der radikal-islamischen Al Qaida wird Obama mit seinen versöhnlichen Worten aber wohl kaum erreicht haben. Die Organisation hatte den Präsidenten vor dessen Ansprache scharf kritisiert. Obama und seine Regierung hätten "die Samen für Hass und Rache gegen Amerika gesät" und die Politik von Bush fortgeführt, hieß es in einer Al-Qaida-Chef Osama bin Laden zugesprochenen Botschaft.

Zuvor war Obama mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak zusammenkommen und hatte ihm versprochen, sich ernsthaft für einen umfassenden Frieden im Nahen Osten einzusetzen. "Ich freue mich darauf, diese Fragen in den kommenden Jahren mit Präsident Mubarak zu diskutieren", sagte er nach dem Treffen. Mubarak entgegnete: "Wir haben über das iranische Atomprogramm und andere Probleme gesprochen." Beobachtern zufolge hätten Ägyptens Präsident und seine Berater nach dem Treffen "erleichtert" gewirkt. Das Gespräch sei sehr positiv verlaufen.

Im Anschluss an den Besuch in Ägypten reist Obama am Abend nach Dresden weiter, wo es am Freitag auch zu einem kurzen Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel kommen wird. Danach sind Besuche des ehemaligen KZ Buchenwald und des US-Militärstützpunkts Landstuhl vorgesehen. Am Samstag schließlich will der US-Präsident in der Normandie an den Feiern zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg teilnehmen. (ZEIT ONLINE/kg/dpa/rtr)

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