Politik : Kaiserwetter am Papsttag

Benedikt XVI. feiert seinen 80. Geburtstag mit einem Gottesdienst auf dem Petersplatz / Predigt mit sehr persönlichen Tönen

Paul Kreiner[Rom]

In Bayern würde man von „Kaiserwetter“ sprechen: Als Benedikt XVI. am Sonntagvormittag zur Messe auf den Petersplatz zog, waren die grauen Wolken der Tage zuvor verschwunden. Die Sonne schien – aber auch nicht zu heiß für die Festgäste, die zum 80. Geburtstag des Papstes angereist waren.

Zu dem auf Italienisch gehaltenen Gottesdienst kam aber weniger Publikum als erwartet: Der Petersplatz war nur zur Hälfte gefüllt. Während sich unter den Gläubigen zahlreiche Pilger aus Deutschland und vor allem aus Bayern befanden, zelebrierten den Festgottesdienst mit dem Papst zusammen einige der führenden Kurienkardinäle sowie italienische Bischöfe und Priester aus der Diözese Rom. Auf Ehrenplätzen neben dem Altar saßen Vertreter des Diplomatischen Korps. Es gab nur eine einzige Grußadresse; sie wurde vorgetragen von Angelo Sodano, dem Dekan des Kardinalskollegiums.

In seiner mit Applaus aufgenommenen, rein italienischsprachigen Predigt sagte Benedikt XVI., die Liturgie dürfe zwar „nicht dazu dienen, vom eigenen Ich, von sich selber zu reden. Aber das eigene Leben darf dazu dienen, Gottes Barmherzigkeit zu verkünden.“ Und so stellte der Papst sein Leben als praktisch geradlinige Führung Gottes dar.

Joseph Ratzinger verwies darauf, dass er 1927 am Karsamstag, dem Tag vor Ostern, geboren worden war: „Ich habe es immer als großes Geschenk betrachtet, dass mir Geburt und Wiedergeburt am selben Tag, im Zeichen des anfangenden Osterfestes, geschenkt worden sind. So wurde ich zugleich in meine eigene Familie und in die große Familie Gottes hineingeboren.“

Bei seiner Priesterweihe 1951 im Dom von Freising habe er, sagte Benedikt XVI., „tief erfahren dürfen: Der Herr ist nicht nur Herr, sondern Freund. Er hat seine Hand auf mich gelegt und wird mich nicht verlassen.“

Auch der Weg nach Rom war demnach vorgezeichnet. Benedikt XVI. verwies auf einen Bericht aus der Bibel, dem zufolge die Bewohner Jerusalems ihre kranken Familienmitglieder dorthin trugen, wo der Apostel Petrus vorbeiging: „Seinem Schatten wurde heilende Kraft zugeschrieben. Denn dieser Schatten kam vom Licht Christi und trug daher etwas von der Macht seiner göttlichen Güte in sich.“ Benedikt fuhr fort: „Der Schatten Petri ist durch die Gemeinschaft der katholischen Kirche von Anfang an auf mein Leben gefallen.“

Von da ausgehend, beschrieb der Papst sich selbst, die Aufgabe seines Amtes und die der Christen: „Petrus war ein Mensch mit allen Schwächen eines Menschen, aber er war vor allem ein Mensch voll leidenschaftlichem Glauben an Christus und voller Liebe zu ihm. So kam mitten in seiner Schwachheit die heilende Kraft Christi zu den Menschen, seine vereinigende Kraft. Suchen wir auch heute den Schatten Petri, um im Licht Christi zu sein.“

An seine deutschen Besucher wandte sich der Papst nur ganz kurz, nach dem Ende der Messe, wobei er aber seinen Geburtstag nicht mehr eigens erwähnte. Er sagte: „Ich sehe viele bayerische Fahnen und Trachten. Das tut mein Herz auf, und ich freue mich.“

In dem Geburtshaus des Papstes in Markl am Inn wird künftig dokumentiert, wie der junge Joseph Ratzinger aufwuchs. Das Museum wurde am Sonntag feierlich eröffnet. Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml sagte, mit der „Stiftung Geburtshaus Papst Benedikt XVI.“ sei ein Stätte geschaffen worden, in der die Person und das Amt Benedikts gewürdigt würden, „nicht als rein museale Gedenkstätte, sondern als lebendige Begegnungsstätte“.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben