Politik : Kalaschnikow statt Frisiermesser

Sie kommen aus Deutschland, Marokko und Libanon: Araber aus der ganzen Welt wollen im Irak für Saddam Hussein kämpfen

Asne Seierstad[Bagdad]

Die „heiligen Krieger“ im Irak werden immer zahlreicher. Einige haben gute Jobs in Westeuropa gekündigt, andere sämtliche Habseligkeiten verkauft. Der von den USA geführte Krieg hat in vielen Teilen der arabischen Welt die Gemüter in Wallung gebracht. Die Iraker behaupten, es handele sich um 6000 Männer, die sich dafür entschieden haben, in den Irak zu kommen, um gegen die Ungläubigen und ihre Besetzung des Irak zu kämpfen. Die Hälfte dieser „heiligen Krieger“ hat nach Angaben der irakischen Behörden einen Märtyrerschwur abgelegt – sie sind im Irak, um ihr Leben zu opfern, entweder im Kampf oder bei Selbstmordanschlägen.

Den Kriegern ist im Irak große Aufmerksamkeit entgegengebracht worden. Jeden Tag werden im Fernsehen Interviews mit den Mudschahedin aus der gesamten arabischen Welt geführt. Die aufmarschierten Männer erzählen den Zuschauern, die Kalaschnikow im Anschlag, dass sie für ihre Sache kämpfen und sie von den Okkupanten befreien werden. „Ich war Ingenieur in Hamburg und hatte eine gute Arbeit. Aber eines Tages, als ich aufwachte, wurde mir klar, dass ich dort nicht weiterleben konnte. Ich ließ mich zum Kampf für die Iraker anwerben“, sagte einer. Zwei Brüder haben laut irakischem Fernsehen ihren Friseursalon in Oran in Marokko verkauft, um sich die Fahrkarten in den Irak leisten zu können. „Wenn ein Araber in Gefahr ist, müssen wir zu Hilfe eilen“, meinten sie.

Die irakischen Behörden begnügen sich nicht damit, ihrer eigenen Bevölkerung von dieser Unterstützung zu berichten, sie wollen diese Krieger auch gerne den westlichen Medien präsentieren. Am Mittwoch dieser Woche etwa kamen rund 30 Soldaten aus dem Jemen in das Foyer des Hotels Palestina gelaufen, in dem die meisten Journalisten in Bagdad wohnen. Erst tanzten sie draußen auf dem Parkplatz herum und riefen Parolen für Saddam Hussein, ehe sie wieder, immer noch tanzend, in die Rezeption kamen und mit ihren Kalaschnikows fuchtelten. Der Auftritt wurde von einem der Beamten aus dem Informationsministerium geleitet. Er ließ sie eine Weile weitermachen und kommandierte sie dann in einen Konferenzraum, in dem er eine Pressekonferenz abhielt. „Wir kommen aus Saana im Jemen und sind hier, um Seite an Seite mit unseren irakischen Brüdern zu kämpfen. Gemeinsam werden wir den Feind der Menschheit, die USA, schlagen!“, rief der Anführer. „Greift an! Bekämpft sie! Tötet sie!“, rief ein anderer.

Im Zentralorgan der Baath-Partei „Al Thawra“ wurde auf der ersten Seite ausführlich über die ersten Märtyrer aus dem Ausland berichtet. Der Text handelte von zwei Syrern, Iyad und Fadi, die beide bei den Kämpfen bei Kerbela das Leben verloren hatten. Es sei ihnen gelungen, viele Ungläubige zu töten, schrieb die Zeitung, ehe sie Märtyrer geworden seien. „Unsere Märtyrer sind im Paradies, die von ihnen Getöteten befinden sich in der Hölle“, schrieb die Zeitung.

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