Kambodscha : Erster Prozess gegen Rote-Khmer-Folterer beginnt

In Kambodscha hat heute der Prozess gegen die Hauptakteure der Roten Khmer begonnen. Der erste Angeklagte ist Kaing Guek Eav, der eines der Gefängnisse des Regimes leitete und dort tausende Menschen ermorden ließ.

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Ein junger Mann betrachtet die Überreste der Gräueltaten der Roten Khmer. Bis zu zwei Millionen Menschen starben unter dem Regime....Foto: dpa

Phnom PenhDreißig Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha hat der erste Prozess gegen eine der Schlüsselfiguren des Regimes begonnen. Der unter dem Namen Duch bekannte ehemalige Gefängnisleiter Kaing Guek Eav erschien am Dienstag als erster von fünf Angeklagten vor einem Sondergericht in Phnom Penh. Duch erkannte laut seinem Anwalt die Vorwürfe an und wollte um Vergebung bitten.

Unter dem Regime starben bis zu zwei Millionen Menschen

Richter Nil Nonn sagte, mit dieser ersten Anhörung nehme das Gericht seine Arbeit als faire und unabhängige Einrichtung auf. Das Gericht wurde nach fast zehnjährigen Verhandlungen zwischen der UNO und Phnom Penh erst 2006 ins Leben gerufen. Der 66-jährige Duch muss sich wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Folter und Mord verantworten. In dem unter seiner Aufsicht stehenden Gefängnis Tuol Sleng in Phnom Penh wurden während der Herrschaft des Regimes von Pol Pot zwischen 1975 und 1979 mindestens 12.380 Männer, Frauen und Kinder gefoltert und ermordet. Duch droht lebenslange Haft.

Die Roten Khmer töteten von 1975 bis 1979 bis zu zwei Millionen Menschen, die sie als "Verräter der Revolution" betrachteten. Die Bewegung wurde 1979 mit Unterstützung aus Vietnam gestürzt, kämpfte aber noch bis 1998, dem Todesjahr von Pol Pot, aus dem Untergrund weiter.

Duch will "um Vergebung bitten"

Das Gericht tagte hinter Panzerglas, um vor möglichen Angriffen von Opfern im Zuschauerraum geschützt zu sein. Die erste Anhörung war auf etwa drei Tage angesetzt. Am Dienstag ging es vor allem um die Frage der Zulässigkeit der Zeugen. Nach sieben Stunden wurde die Anhörung vertagt. Die eigentliche Verhandlung soll im März beginnen.

Duchs französischer Verteidiger François Roux sagte vor Journalisten, sein Mandant habe die gegen ihn erhobenen Vorwürfe anerkannt. Er wolle den Prozess nutzen, um die Opfer und alle anderen Kambodschaner öffentlich um Vergebung zu bitten. Zuvor hatte der Anwalt es unhaltbar genannt, dass Duch bereits mehr als neun Jahre ohne Prozess hinter Gittern saß.

Unter den Zuschauern waren viele Überlebende der Gräueltaten des Pol-Pot-Regimes. Chum Mey, einer der wenigen überlebenden Insassen des Gefängnisses, sagte: "Heute ist ein großer Tag für mich. Ich werde als Zeuge aussagen und Duch fragen, warum er mich gefangen hielt." Die Künstler Vann Nath und Bou Meng, die ebenfalls den Prozess verfolgten, äußerten sich erleichtert über den Prozessbeginn. Sie überlebten nur, weil sie Rote-Khmer-Porträts malen konnten.

Im Dschungel untergetaucht

Der frühere Mathematiklehrer Duch leitete das als S-21 bekannte Gefängnis Tuol Sleng in Phnom Penh. Die meisten der Insassen wurden gefoltert und auf den benachbarten "Killing Fields" getötet. Erwachsene wurden mit Äxten zu Tode geprügelt, Kindern wurden die Köpfe an Bäumen eingeschlagen.

Nach dem Sturz der Roten Khmer verschwand Duch im Dschungel. Er wurde vor zehn Jahren entdeckt und festgenommen. Duch ist der jüngste der fünf Angeklagten vor dem Sondertribunal, die anderen sind zwischen 76 und 83 Jahre alt. Ihnen soll erst nach dem Urteil gegen Duch der Prozess gemacht werden.

Bundesentwicklungsministerin Wieczorek-Zeul (SPD) erklärte in Berlin, es sei "gerade für die junge Generation" in Kambodscha wichtig, "dass jetzt die Verbrechen des Rote-Khmer-Regimes aufgearbeitet werden".  Auch die internationale Gemeinschaft trage schwere Verantwortung, da sie den Völkermord nicht verhindert habe. (jnb/AFP)

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