Politik : Kamerad Computer

Neue Technik soll britische und amerikanische Soldaten vor „freundlichem Feuer“ bewahren – doch es gibt Zweifel

Alexander Visser

Am 26. Februar 1991, zwei Tage vor Ende des Golfkriegs, beschossen zwei amerikanische A-10 Kampfflugzeuge Militärfahrzeuge in der irakischen Wüste. Doch statt auf Saddams Republikanische Garde feuerten die Jets auf britische Verbündete. Neun Soldaten starben, elf wurden verletzt. Nicht nur Alliierte, auch 35 von insgesamt 147 getöteten US-Soldaten starben am Golf durch eigene Waffen.

Falls es zu einem zweiten Irak-Krieg kommt, soll sich das nicht wiederholen. Um die Zahl der Opfer gering zu halten, hat das Pentagon Milliarden Dollar in neue Technologie investiert. Im Irak könnten sie erstmals zum Einsatz kommen. Denn, so Ottfried Nassauer vom Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit, „jeder Krieg ist ein willkommener Anlass, um neue Waffensysteme auf ihre Wirksamkeit zu erproben".

Beispielhaft für die neue Art der Kriegsführung ist die vierte Infanteriedivision, die gerade mit 12 500 Mann in die Golfregion zieht. Die so genannte „digitale Division" ist mit schweren Abrams-Kampfpanzern und neuer Kommunikationstechnik ausgestattet. Hinter dem Kürzel FBCB2 verbirgt sich ein elektronisches Netzwerk, das den Soldaten im Feld auf dem Laufenden hält. Er hat einen Mini-Computer in Handflächengröße, der die eigenen Panzer, Flugzeuge und Soldaten - wie in einem Computerspiel - beinahe in Echtzeit anzeigt. Alle Einheiten sind mit winzigen Sendern ausgestattet, Satelliten des GPS (Global Positioning System) übertragen die Daten. So soll das Hauptquartier, aber auch der einzelne Soldat, permanent über die Bedrohungslage informiert sein.

Doch es gibt auch Zweifel, dass die neuen Freund-Feind-Erkennungssysteme tatsächlich alle alliierten Soldaten schützen können. Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sind vor allem Bodenfahrzeuge gefährdet, die nicht mit den neuen Systemen ausgerüstet seien.

Grundsätzlich verfolgt US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld aber das Ziel, mobile, besser vernetzte Einheiten zu schaffen, die mit starker Luftunterstützung kämpfen können. „In gewisser Weise könnte der Golfkrieg der erste Live-Test dieser neuen Militärdoktrin werden", glaubt Nassauer. Unumstritten ist Rumsfelds Strategie nicht. Vor allem Armeegeneräle murren über seinen Hang zu Technik und Luftkrieg.

Experten rechnen damit, dass die Alliierten im Kriegsfall größere Panzerschlachten vermeiden werden. Ein amerikanisch-britischer Angriff würde auf Schnelligkeit setzen, heißt es in einer Studie des Center for Strategic and International Studies (CSIS): „Statt Bodentruppen zur Deckung der Flanken und der rückwärtigen Gebiete des Hauptstoßes umzuleiten, werden Luftschläge eingesetzt.“

Dabei würden so genannte „intelligente Bomben" eine wichtige Rolle spielen, mit deren Hilfe die Zahl von Opfern unter irakischen Zivilisten gering gehalten werden soll. „Das ist entscheidend für die Unterstützung der eigenen Bevölkerung“, sagt Olivier Minkwitz von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. „Die neue Kriegstechnologie, die die Zahl unbeabsichtigter Opfer reduzieren soll, ist die Voraussetzung dafür, dass Demokratien überhaupt noch Kriege führen können."

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