Kampagne gegen Sarkozy : Ex-Premier Villepin immer stärker unter Druck

Ermittlungsrichter ließen heute die Pariser Privatwohnung des einstigen Regierungschefs Domique de Villepin durchsuchen. Neben dem Ex-Premier soll auch Jacques Chirac in die Rufmordaffäre gegen Nicolas Sarkozy im Vorfeld des Präsidentschaftswahlkampfs verwickelt sein.

Villepin
Dominique de Villepin soll gefälschte Kontenlisten mit Sarkozys Namen einem Untersuchungsrichter zugespielt haben. -Foto: AFP

ParisIn der Rufmordaffäre um vermeintliche Schwarzgeldkonten des heutigen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gerät Ex-Premierminister Dominique de Villepin immer stärker unter Druck. Ermittlungsrichter ließen heute die Pariser Privatwohnung des einstigen Regierungschefs durchsuchen, wie es in Justizkreisen hieß. Zuvor war weiteres belastendes Material gegen Villepin aufgetaucht.

Laut Daten auf dem Laptop eines Geheimdienstgenerals soll Villepin dafür gesorgt haben, dass die erfundenen Vorwürfe gegen Sarkozy einem Untersuchungsrichter offenbart wurden. Laut dem Radiosender France Info wird auch der ehemalige Staatschef Jacques Chirac belastet.

Verleumdungskampagne soll von Chirac ausgegangen sein

In der so genannten Clearstream-Affäre waren Sarkozy sowie weitere Politiker und Geschäftsleute über gefälschte Kontenlisten angeschwärzt worden, bei einem Fregattenverkauf an Taiwan angeblich Schmiergelder empfangen zu haben. Der Villepin- und Chirac-Rivale Sarkozy hatte dies als politisches Manöver gedeutet, mit dem er auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur der Regierungspartei UMP noch aufgehalten werden sollte. Der heutige Präsident tritt als Nebenkläger in dem Verfahren auf.

Die Hausdurchsuchung bei Villepin im 17. Pariser Bezirk sei "logische Folge" der neu aufgetauchten Notizen aus dem Laptop des Geheimdienstgenerals Philippe Rondot, hieß es in Justizkreisen. Nach den in dem Computer gefundenen Aufzeichnungen soll Villepin veranlasst haben, dass die gefälschten Kontenlisten mit Sarkozys Namen einem Untersuchungsrichter zugespielt wurden. Laut France Info legen diese Vermerke auch nahe, dass der Vorschlag dazu ursprünglich von Chirac stammte. Die Listen landeten bald darauf in der Presse, worauf Sarkozy ein Korruptionsvorwurf anhing, der erst Monate später als haltlos entkräftet wurde.

Villepin weist "erlogene Behauptungen" von sich

Villepin wies die Vorwürfe gegen ihn als "erlogene Behauptungen" zurück. Er habe "nicht versucht, Untersuchungen gegen politische Persönlichkeiten in der Clearstream-Affäre anzustrengen noch dem Ansehen dieser zu schaden", erklärte der Ex-Premier, der in dem Fall im Dezember schon von den Richtern 17 Stunden am Stück als Zeuge vernommen worden war.

Villepin, der jahrelang Chiracs Kabinettschef war, hatte Frankreichs Regierung von Mai 2005 bis zum Wahlsieg Sarkozys im Mai geführt. Ihm waren selbst lange Ambitionen auf die UMP-Präsidentschaftskandidatur nachgesagt worden. Nach dem Regierungswechsel haben die Untersuchungsrichter bereits seine Terminkalender im Nationalarchiv beschlagnahmen lassen. In Paris wird erwartet, dass der Ex-Premier noch im Sommer erneut von den Richtern vorgeladen wird. (mit AFP)

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben