Politik : Kampf dem Kinderhandel: Adoption ausländischer Kinder - Viele verlässt der Mut

Andrea Nüsse

Etwa 800 bis 1000 Eltern melden sich jedes Jahr beim Evangelischen Verein für Adoptions- und Pflegekindervermittlung in Düsseldorf, um ein Kind aus dem Ausland zu adoptieren. Nur etwa 30 bis 35 Paar reichen dann schließlich auch einen Antrag ein, erklärt Geschäftsführerin Inge Elsässer, die seit 1995 für den Auslandsdienst zuständig ist, der ausschließlich Kinder aus Äthiopien vermittelt. Ihre Erklärung: Die Paare werden von Anfang an darauf hingewiesen, dass es sich um körperlich und seelisch "belastete" Kinder handelt. Den Paaren wird erklärt, welche Eltern diese Kinder brauchen. Der Verein wendet damit explizit die Haager Konvention zur Adoption von 1993 an, die Deutschland noch nicht ratifiziert hat. So werden heute noch viele Adoptivkinder aus dem Ausland vermittelt, ohne auf die Eignung der Eltern zu achten. Die Haager Konvention dagegen legt fest, dass die Rechte und das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehen müssen, nicht die Interessen adoptionswilliger Paare.

Der Evangelische Verein für Adoptionskindervermittlung arbeitet seit 1991 mit dem äthiopischen Sozialministerium zusammen, das eine zentrale Anlaufstelle in Deutschland suchte. Bis dahin wandten sich Paare direkt an das Ministerium, das deren Unterlagen und Eignung jedoch nicht prüfen konnte. Diesen Part übernimmt nun der deutsche Verein, das äthiopische Sozialiministerium liefert den Nachweis, dass die Kinder nicht von der Familie oder bei Pflegeeltern im Land selbst großgezogen werden können.

In einem ersten Schreiben weist der Evangelische Verein für Adoptions- und Pflegekindervermittlung die interessierten Paare auf die Risiken und Schwierigkeiten bei der Adoption eines unbekannten Kindes aus einem Dritte-Welt-Land hin. Anschließend wird ihnen ein Gespräch mit so genannten "Kontakteltern" vermittelt. Das sind Familien, die bereits ein Kind aus dem Ausland adoptiert haben und im lockeren Gespräch ihre persönlichen Erfahrungen weitergeben können. Erst danach können die Paare einen Antrag stellen. "Bis dahin springen viele Paare ab", erzählt Inge Elsässer, von 1000 stellen nur etwa 35 schließlich einen Adoptionsantrag. Es folgen mindestens zwei, oft mehr sehr ausführliche Gespräche. Vermittelt werden dann jährlich etwa 15 bis 20 Kinder. Kosten für die Eltern: 1200 Mark.

Ein Grund für die geringe Zahl der Anträge ist nach Ansicht Elsässers, dass der Verein nur "dürre Angaben" zu den Kindern machen kann. Oft wisse man nur das ungefähre Alter, eine umfassende medizinische Untersuchung läge meist nicht vor, dazu fehlten den äthiopischen Behörden sie Mittel - "sonst könnten sie die Kinder im eigenen Land großziehen", meinst Elsässer. Daher macht der Verein die Eltern auf die Bandbreite aller Probleme, die sich stellen könnten, aufmerksam. Bei privaten Agenturen dagegen könnten die Leute flotte Texte mit detaillierten Angeben über die Adoptivkinder lesen - was ihnen mehr Sicherheit vorgauckeln würde.

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