Politik : Kampf dem Kinderhandel: Die Zwillinge Oleg und Shenja kosten 23 000 Dollar

Claudia Lepping,Claudia von Salzen

Im Winter 1989/1990 gingen die Bilder aus rumänischen Waisenheimen um die Welt: Sie zeigten Kinder, die völlig verwahrlost waren, nicht mehr gehen und sprechen konnten und den Fotografen mit ihren Exkrementen bewarfen. Durch illegale Abtreibungsversuche ihrer Mütter schwerst mehrfach behinderte Kleinkinder kauerten in unbeheizten Verschlägen. Jahrelang waren sie durch die "Euthanasie der Verhältnisse" unter Ceausescu dahin vegetiert. Mit den internationalen Helfern wuchs die Nachfrage nach Adoptionskindern als Form des individuellen Krisenmanagements. 10 000 Kinder überstellte Rumänien allein zwischen 1989 und 1991 in die Obhut internationaler Pflegeeltern. Doch schnell profitierten windige Geschäftsleute von jenen spontanen Hilfsaktionen und kauften rumänischen Eltern Kinder ab, die sie wiederum an Paare nach Westeuropa lieferten. Sogar Geburten wurden bezahlt, wenn die Kinder "marktfähig" waren. Rumäniens Regierung verschärfte 1995 die Adoptionsbedingungen: Seitdem sollen ausschließlich Kinder aus Waisenhäusern weitergegeben werden, die vom rumänischen Adoptionskomitee registriert sind. Trotz sinkender Geburtenrate leben heute rund 150 000 Kinder in rumänischen Heimen - so viel wie nie zuvor.

Guatemala ist nach Angaben von Unicef ein "Paradies für Kinderhändler". Allein 1998 wurden mehr als 1300 Babys zur Adoption ins Ausland vermittelt. Fast 200 Anwälte und Notare leben vom Geschäft mit dem Kinderhandel und kassieren von den Adoptiveltern bis zu 30 000 Mark. Schwangere Frauen werden nach Unicef-Angaben zur Unterzeichnung der Adoptionspapiere genötigt. Andere Eltern verkaufen ihre Kinder. Auch Kinderheime und Ärzte profitieren von dem florierenden Geschäft mit den Babys.

Besonders im Internet blüht der Kinderhandel: Wie in einem Versandhauskatalog können sich zukünftige Adoptiveltern auf den Webseiten privater Vermittler ein Kind auswählen. Der 3-jährige Oleg aus Kasachstan und sein Zwillingsbruder Shenja wurden im Internet für 23 000 Dollar zur Adoption angeboten, zahlbar in drei Raten - inklusive Reisekosten und Einwanderungspapieren. Die Agentur wirbt damit, dass die beiden "liebevoll und aktiv" seien und gut mit Kindern und Erwachsenen zurecht kämen. Zudem hätten sie Sinn für Humor. Die Mutter, so behauptet die Agentur, habe die Jungen verlassen. Inzwischen sind die Zwillinge auf der Webseite nicht mehr zu finden - vermutlich wurden sie von Adoptiveltern "gekauft".

0 Kommentare

Neuester Kommentar