Politik : Kampf dem Kinderhandel: "Keine Adoption über das Internet" (Interview)

Hat der Kinderhandel im Zusammenhang mit Adoptione

Maria Holz ist Referentin für Adoptionsarbeit der Organisation terre des hommes.

Hat der Kinderhandel im Zusammenhang mit Adoptionen in Deutschland zugenommen?

Das Phänomen Adoptionskinderhandel beobachten wir bereits seit Beginn der 80er Jahre. Damals erregten die ersten Fälle aus Kolumbien Aufsehen, als leiblichen Müttern erzählt wurde, ihre Kinder seien bei der Geburt gestorben, dabei hatten Ärzte, Krankenschwestern und Juristen diese Kinder längst ins Ausland verschachert.

Hat die 1993 beschlosssene Haager Konvention über die Adoption die Lage verändert?

Bezeichnenderweise haben eher die Herkunftsländer der Kinder die Haager Konvention ratifiziert als die so genannten Empfängerländer. Sie wollen dafür sorgen, dass die Kinder nicht mehr wahllos außer Landes geschafft werden.

Die Bundesrepublik hat vier Jahre gebraucht, die Konvention zu unterzeichnen, derzeit wird an der Ratifizierung gearbeitet. Wie erklären Sie sich, dass Deutschland sich so viel Zeit läßt?

Es gab die Abstimmungen mit den anderen deutschsprachigen Ländern, Übersetzungsarbeiten und ständig wechselnde Sachbearbeiter. Die Haager Konvention war nicht prioritär für die Bundesregierung. Auch haben die Auslandsadoptionen in Deutschland nie eine so große Rolle gespielt wie in anderen Ländern, in den Vereinigten Staaten, Frankreich oder den skandinavischen Ländern beispielsweise. Die Folge ist allerdings, dass einige Länder wie die Tschechische Republik beispielsweise, keine Kinder mehr zur Adoption nach Deutschland freigibt, weil Deutschland die Haager Konvention nicht ratifiziert hat.

Wird dem Kinderhandel mit der Haager Konvention ein Riegel vorgeschoben?

Zum Teil. Wir hoffen natürlich, dass noch mehr Länder dem Abkommen beitreten. In unserer Stellungnahme zum Referentenentwurf der Bundesregierung hat terre des hommes gebeten, auch zu regeln, was mit den Ländern ist, die die Haager Konvention nicht ratifizieren wollen.

Aus diesen Ländern kann dann nicht mehr adoptiert werden?

Nicht unbedingt. In diesem Fall müsste die Bundesregierung bilaterale Abkommen mit den jeweiligen Ländern abschließen. Der Referentenentwurf sieht vor, dass die zentrale Behörde beim Generalbundesanwalt angesiedelt ist.

Wie wollen sie den Handel über Internet verhindern?

Die freien Träger fordern vom Gesetzgeber, dass nur in Deutschland zugelassene Adoptionsvermittler Kinder aus dem Ausland vermitteln dürfen. Das heißt Adoptionen direkt aus dem Internet würden dadurch unmöglich gemacht, da diese Organisationen ihren Sitz außerhalb der Buindesrepublik haben. Das Justizministerium hat uns im September zu einem Gespräch geladen, da werden wir das noch einmal unterstreichen.

Derzeit scheint oft die Interessen der Eltern zu überwiegen.

Für terre des hommes hatte immer das Wohl der Kinder Priorität: Gesucht werden Eltern, die sich ein Kind wünschen, die aber auch bereit sind, einem Kind zu helfen. Angefangen hat terre des hommes 1967 in Deutschland mit der Vermittlung von Waisen aus Vietnam, von denen sehr viele in Familien aufgenommen wurden, in denen es bereits leibliche Kinder gab. Mein Eindruck ist, dass heute 90 Prozent der Paare, die ein Kind adoptieren wollen, ungewollt kinderlos sind. Das ist nicht schlecht, aber die Motivation ist manchmal eine andere. Dennoch muss klar sein: ein Recht auf ein Kind hat niemand.

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