Politik : Kampf der Bilder

Ashwin Raman

Es gibt neues Videomaterial über Osama bin Laden. Der stellvertretende afghanische Geheimdienstchef Abdullah Tauhidi sagte in Kabul: "Wir haben mehrere neue Videos in Händen. Die Bild- und Tonqualität ist hervorragend. Sie zeigen bin Laden und andere Al-Qaida-Kämpfer bei der Planung von Terroranschlägen rund um die Welt". Im Gegensatz zu den Bändern, die in den vergangenen Monaten auftauchten, soll das nun vorliegende Material endgültige Klarheit darüber herstellen, dass bin Laden hinter den Anschlägen vom 11. September und anderen Attentaten steckt.

Zum Thema Dokumentation: Kampf gegen Terror
Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan
Die Videos sollen veröffentlicht werden, sobald die Geheimdienste diese gesichtet haben. Auf die Frage, wo bin Laden sei, sagte Geheimdienstchef Tauhidi: "Wir haben immer wieder gesagt, dass er sich in Pakistan aufhält, und dabei bleiben wir". Tauhidi erklärte weiter, dass bin Laden in der Vergangenheit hohen Offizieren des pakistanischen Geheimdienstes "Inter State Intelligence" (ISI) "Geschenke" zukommen ließ. Jetzt helfe der ISI ihm bei der Flucht.

Auch in der Frage, wo sich der Taliban-Führer Mullah Omar befindet, ist sich Tauhidi sicher: "Es gibt für ihn nur zwei Orte, Panjoie oder Baghran. Er stammt aus dieser Region, und die Bewohner gewähren ihm Schutz. Sie wollen nicht, dass er den USA in die Hände fällt". Ein hoher Beamter der amerikanischen Botschaft in Islamabad sagte dem Tagesspiegel: "Wir haben aufgehört, solche Informationen ernst zu nehmen oder zu kommentieren. Zurzeit haben wir zwei wichtige Personen aus den Reihen der Taliban und der Al Qaida in unserem Gewahrsam. Wir werden versuchen, konkrete Informationen von ihnen zu bekommen". Gemeint sind der ehemalige Botschafter der Taliban in Islamabad, Mullah Abdul Salam Saif, und Ibn-al-Sheikh al-Libi, ein angeblicher Al-Qaida-Ausbilder. Die Einschätzung eines Beamten des pakistanischen Geheimdienstes: "Die Amerikaner halten al-Libi für sehr wichtig. Sie haben ihn von den anderen Gefangenen in Kandahar getrennt und halten ihn an einem unbekannten Ort fest. Nach unserer Einschätzung hat al-Libi nicht die Informationen, die die USA haben möchten".

Offenbar gibt es Spannungen zwischen dem pakistanischen Geheimdienst ISI und der CIA. Sechs Spezialagenten der CIA sind auf dem Weg nach Afghanistan, um al-Libi zu befragen. Der ISI ist von dieser Aktion allerdings ausgeschlossen. Ex-Botschafter Mullah Saif wird zurzeit auf der US-Fregatte "Bataan" im arabischen Meer festgehalten. Saif soll Informationen zum Aufenthalt des Taliban-Führers Mullah Omar liefern.

Offensichtlich sind die Amerikaner sehr frustriert darüber, dass sie bei der Suche nach bin Laden und Mullah Omar nicht weiterkommen. Zeitungen wie die "Washington Post" haben Zweifel an den Fähigkeiten der CIA geäußert. Es wird darauf hingewiesen, dass Saif inzwischen als einer der wichtigsten Taliban gehandelt wird, obwohl er nicht auf der FBI-Liste der 29 meistgesuchten Taliban steht. Ähnliches gilt auch für den angeblichen Al-Qaida-Ausbilder al-Libi: Auch er steht nicht auf der Liste der 22 meistgesuchten Al-Qaida-Mitglieder.

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