Politik : Kampf der Genossen

Italiens Opposition organisiert sich neu – und zersplittert weiter

Thomas Migge[Rom]

„Was wird aus Italiens linker Opposition?“, fragen sich derzeit viele Italiener. Vor allem jene, die Wähler des Mitte-Links-Bündnisses sind. Am Freitag wurde Sergio Cofferati in Florenz zum Füher der „girotondini“ gekürt, jener in den letzten Monaten entstandenen linken Bürgervereinigungen, die sich gegen die Regierungspolitik von Ministerpräsident Silvio Berlusconi wenden. Der Regisseur Nanni Moretti als Leitfigur dieser außerparlamentarischen Opposition begrüßte die Entscheidung für den ehemaligen Sekretär des an Mitgliedern stärksten Gewerkschaftsverbandes CGIL. Und die Linksdemokratin Rosy Bindi machte deutlich, was von Cofferati erwartet wird: Er sei jemand, „der den Linken einen gewaltigen Schubs geben kann“, sagte sie.

Cofferati fordert seit Monaten eine schärfere Gangart der Opposition gegen die Politik der Mitte-Rechts-Regierung. Mit klaren Worten, die viele Linkswähler vergeblich von den von ihnen gewählten Politikern erwarten, kritisiert Cofferati die „Machtergreifung einer auf Eigennutz konzentrierten Clique“ um Berlusconi und spart auch nicht mit Kritik an linken Politikern. „Sie müssen die Menschen direkter ansprechen und begeistern“, rief Cofferati am Freitagabend den in Florenz im Kongresszentrum versammelten „girotondini“ entgegen, „oder aber unser Mitte-Links-Bündnis wird untergehen“.

Cofferatis Florentiner Krönung zum Chef der Opposition, so die Tageszeitung „Corriere della sera“, sorge bei den Linksdemokraten der DS für große Aufregung. Seit Samstag diskutieren sie den „Fall Cofferati“, so DS-Präsident Massimo D’Alema. Hat sich dieser doch erlaubt, D’Alema und auch den Sekretär der größten Oppositionspartei, Piero Fassino, frontal anzugreifen. Cofferati wirft den beiden „unerklärliche Handlungsarmut“ vor.

D’Alema und Fassino, aber auch Oppositionsführer Francesco Rutelli von der linksliberalen Partei Margherita befürchten offenbar, dass ihnen, der Ex-Gewerkschaftsboss mit einer eigenen Partei die Wähler abjagen könnte. So weit will Cofferati es aber nicht kommen lassen. Nach eigenen Aussagen ist die Gründung einer neuen Partei für ihn kein Thema, weil dies die linke Opposition nur weiter zersplittern würde. Aber er will Einfluss in dieser Opposition. Für die „girotondini“ ist Cofferati der ideale Spitzenkandidat für das Mitte-Links-Bündnis bei den nächsten Parlamentswahlen. Fassino, D’Alema und Rutelli fürchten deshalb um ihre politische Zukunft. Kommunistenchef Fausto Bertinotti sieht deshalb schon „den Endkampf um die Macht in der Opposition“ aufziehen.

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