Kampf gegen den "Islamischen Staat" : Eine Achse zwischen Syrien und den USA?

Im Interview mit der BBC gibt Syriens Diktator Baschar al Assad an, mit den USA über mehrere Kanäle zu kommunizieren. Lügt er oder kooperieren die USA und das Assad-Regime im Kampf gegen den "Islamischen Staat"?

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Diktator Assad erzählt seine Version der Geschichte bei der BBC. Foto: dpa
Diktator Assad erzählt seine Version der Geschichte bei der BBC.Foto: dpa

Wie kann es sein, dass Stellungen des Assad-Regimes bei den Bombardierungen der Anti-IS-Koalition in Syrien verschont bleiben? Zu dieser Frage hat Syriens Diktator Baschar al Assad einen bedeutsamen Satz gesagt: „Es ist richtig [dass wir sprechen], aber es gibt keine Kooperation.“ Mit „wir“ meint Assad sich und die USA. Regelmäßig gibt der Diktator westlichen Medien Interviews, diesmal war die BBC an der Reihe.

Wie üblich sprach Assad von reiner Verteidigung im Rahmen des Bürgerkrieges in seinem Land. Er wies jeden Vorwurf zurück, an den Verbrechen gegen das syrische Volk beteiligt zu sein. Der "Islamische Staat" spielt für Assads politische Strategie eine wichtige Rolle. Das Regime ließ kurz nach Ausbruch des Bürgerkrieges die Terrormiliz gewähren und kooperierte zunächst mit ihr im Kampf gegen die Freie Syrische Armee. Heute bekämpft Assad in seinem „Kampf gegen den Terror“ neben den gemäßigten Oppositionsgruppen auch den IS. Somit bietet sich Assad gleichzeitig als Partner der Anti-IS-Koalition an, die von den USA angeführt wird.

Michael Williams arbeitet im Londoner Think Tank Chatham House. Er zeigt sich, wie andere Sicherheitsexperten für Syrien und den Irak, überrascht von Assads Aussagen. Der Diktator gab auch an, „mehrere Staaten“ als Kanäle nach Washington zu nutzen. „Russen und Iraner geben mit Sicherheit keine Informationen weiter“, sagt Williams. Er habe aber einen „sicheren Assad“ vor der BBC-Kamera beobachtet und tippt auf ein taktisches Manöver des Diktators. „Assad setzt auf eine Kooperation mit dem Westen“, vor allem wenn die Gespräche über das iranische Atomprogramm mit einem Kompromiss enden würden, bestehe für Assad die Chance auf eine neue Partnerschaft mit den USA in der Region.

"Assad lügt"

Es gibt aber ein Land, das sowohl mit dem Assad-Regime als auch mit der Obama-Administration gut kann. Ein Draht zwischen Damaskus und Washington verläuft durch Bagdad. Der irakische Ministerpräsident Haidar al Abadi betonte schon zu Beginn der Angriffe gegen den IS im September 2014 seine besondere Botschafterrolle im syrischen Bürgerkrieg. Damals, am Rande einer UN-Vollversammlung in New York, sagte Abadi, dass er Informationen vom US-Militär über seine Sicherheitsbeamten und über Mitglieder seines Kabinetts an das Assad-Regime weitergebe.

Im Interview wies Assad auch den Vorwurf zurück, er setze Fassbomben gegen Zivilisten ein. Im Internet kommentieren syrische Aktivisten diese Aussage zusammen mit Bildern von Explosionen aus Aleppo, Raqqa und Homs. Diese könnten nur von Assad kommen. Es sei klar, dass bei der BBC vor laufender Kamera gelogen werde.

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