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Kampf gegen den Terror : Saudi-Arabien schmiedet islamische Allianz

Das sunnitische Königshaus will mit anderen muslimischen Staaten Extremisten bekämpfen – der schiitische Erzrivale Iran beteiligt sich nicht am Einsatz.

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Ein saudischer Grenzsoldat im Jemen. Riad will in der Region ein gewichtiges Wort mitreden.
Ein saudischer Grenzsoldat im Jemen. Riad will in der Region ein gewichtiges Wort mitreden.Foto: Reuters

Die Monarchie macht mobil. Saudi-Arabien will mit Dutzenden islamischen Staaten eine militärische Allianz bilden, um gemeinsam den Terror zu bekämpfen. Dem Bündnis sollen mehr als 30 Nationen aus Afrika, Asien und der arabischen Welt angehören, unter anderem die Türkei, Ägypten, Katar, Malaysia und Pakistan. Das gab das Königreich bekannt.

Gemeinsam wolle man nicht nur gegen die Extremistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) vorgehen, sondern mit „jeder terroristischen Organisation, mit der wir konfrontiert werden“, sagte Vize-Kronprinz und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman. Ziel der Verbündeten sei es, in Ländern wie dem Irak, Syrien und Afghanistan gegen Terroristen vorzugehen. Die Einsätze sollen von Riad aus koordiniert werden.

Saudi-Arabien ist bereits Teil der von den USA geführten Koalition, die in Syrien und im Irak gegen den IS mit Luftangriffen kämpft. Die sunnitische Golfmonarchie war aber zuletzt in Sachen Terrorbekämpfung und außenpolitischem Vorgehen scharf kritisiert worden. So gehen Experten davon aus, dass die saudische Führung Geldüberweisungen und Waffenlieferungen an militante Gruppen zumindest nicht verhindert. Ungewohnt offen hatte jüngst sogar der Bundesnachrichtendienst (BND) vor den Aktivitäten von Herrscher Salman und dessen Sohn Mohammed in der Region gewarnt. Diese wollten sich als Anführer der arabischen Welt profilieren.

In dem Bericht heißt es zum Beispiel: „Die bisherige vorsichtige diplomatische Haltung der älteren Führungsmitglieder der Königsfamilie wird durch eine impulsive Interventionspolitik ersetzt.“ Zur Agenda des Landes gehört laut dem deutschen Auslandsgeheimdienst, seinen Einfluss mit einer „militärischen Komponente“ und neuen Allianzen zu erweitern. Damit spielte der BND vor allem auf Riads militärische Intervention im Jemen an.

Dort führt Saudi-Arabien seit Monaten einen Krieg gegen die schiitischen Huthi-Rebellen. Parallel zum Beginn von Friedensverhandlungen trat im Jemen am Dienstag eine siebentägige Waffenruhe seitens der Militärkoalition in Kraft. Allerdings war auch danach noch Gefechtslärm zu hören. Armeekreisen und Ärzten zufolge wurden zwei Regierungssoldaten und sieben Zivilisten getötet. Die gegen die Regierungstruppen kämpfenden Huthi-Rebellen hatten sich nicht zu der Feuerpause bekannt.

Die saudischen Machthaber halten die Aufständischen für Handlanger des verhassten Iran. Ob sie tatsächlich nur willige Befehlsempfänger sind, ist umstritten. Nach Lesart des sunnitischen Herrscherhauses allerdings versucht der schiitische Erzrivale, über den Jemen erneut seinen Einfluss in der Region auszudehnen. Diesem Expansionsdrang müsse mit allen Mitteln Einhalt geboten werden.

Die erheblichen Vorbehalte gegenüber Teheran kommen offenbar auch beim neuen islamischen Bündnis gegen den Terror zum Tragen. Denn wichtige Staaten wie eben der Iran und der Irak gehören der von Saudi-Arabien geschmiedeten Koalition „befreundeter Staaten“ nicht an. Das kann kaum überraschen. Denn auch die Regierung in Bagdad wird von Schiiten dominiert und ist eng mit den Mullahs in Teheran verbündet.

Dass es in Saudi-Arabien ureigenem Interesse liegt, gegen den Dschihad-Terrorismus vorzugehen, steht jedoch kaum infrage. Vor allem im IS sieht die fundamentalistische Wahabiten-Monarchie eine ernsthafte Bedrohung. Die „Gotteskämpfer“ haben mehrfach angekündigt, die heiligsten Stätten Mekka und Medina erobern zu wollen. Und die Extremisten haben viele Anhänger im Land. Weit mehr als 2000 zumeist junge Saudis sollen sich bereits dem „Islamischen Staat“ angeschlossen haben. (mit AFP)

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