Politik : Kampf gegen den Terror: Warten auf den alten Feind

Birgit Cerha

2000 amerikanische Soldaten landen in Kuwait, um in den nächsten Tagen, gemeinsam mit den 5000 dort stationierten Kameraden, das Großmanöver "Wüsten-Frühling" zu beginnen. Die Übung wird in der Region als klare Warnung an den Irak gewertet. In Bagdad ist man überzeugt, die USA rüsteten sich nun, nach den militärischen Erfolgen in Afghanistan, zum Schlag gegen den nächsten Staat, der Terroristen beherbergt: den Irak.

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Man verweist auf die sich jüngst häufenden Tiraden hoher amerikanischer Politiker gegen Iraks Diktator Saddam Hussein. Da brandmarkten die USA öffentlich den Irak, neben Nordkorea, Iran, Libyen und Syrien als einen Staat, der biologische Waffen entwickele. Der US-Staatssekretär für Waffenkontrolle, John Bolton, bezeichnet den Irak als die größte Gefahr für die internationale Sicherheit nach dem Al-Qaida-Netzwerk Osama bin Ladens. US-Außenminister Colin Powell nennt Saddam Hussein "einen der größten Terroristen dieser Welt. Meiner Meinung nach hat er keinen Tropfen Humanität in seinen Adern." Und US-Präsident Bush stimmt mit den Worten ein: Saddam sei ein "Mann des Übels".

Vor diesem Hintergrund sind sich auch diplomatische Kreise der Region weitgehend einig, dass der Irak das nächste Ziel im amerikanischen Anti-Terror-Krieg sei. Es sei heute nur noch eine Frage, wann und in welcher Form das Zweistromland attackiert werde.

Wiewohl es zahlreiche Anzeichen für Kontakte zwischen dem Terror-Drahtzieher Osama bin Laden und hohen Vertretern des irakischen Regimes gibt, fehlen bisher eindeutige Beweise für eine direkte Verwicklung Bagdads in die Terrorakte in den USA vom 11. September. Beharrlich weist das Regime Behauptungen zurück, dass einer der engsten Genossen bin Ladens, Mohamed Atta, in Prag mit einem hohen Geheimdienstoffizier zusammengetroffen sei, um - so offizielle tschechische Angaben - Pläne für einen Sprengstoffanschlag auf das Gebäude des anti-irakischen "Radio Free Europe" in Prag zu diskutieren. Die Begegnung könnte die Existenz von Kommunikationskanälen zwischen dem Irak und der Al Qaida beweisen.

Eingeweihte Kreise hegen aber Zweifel an Berichten abgesprungener irakischer Militärs und Geheimagenten, nach denen in "Salman Pak", dem Zentrum der geheimsten irakischen Militärprojekte südlich von Bagdad, Iraker und Araber aus anderen Ländern für Flugzeugentführungen und Attacken auf europäische und amerikanische Ziele trainiert würden. "Für Saddam", so erläuterte einer der Dissidenten, "hat der Kuwait-Krieg nie geendet. Er steht im Krieg mit den USA. Das hat man uns immer wieder eingetrichtert."

Unabhängige Beobachter fragen sich nun, ob die Amerikaner, wie 1998, versuchen werden, durch kurze, kräftige Attacken erneut das Regime Saddam Husseins einzuschüchtern. Oder sehen sie nun die Zeit gekommen, um nachzuholen, was man am Ende des Kuwait-Krieges versäumte: den Sturz des auch im Lande zutiefst verhassten Diktators?

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