Politik : Kampf gegen den Terror: Welthungerhilfe: Nordallianz plündert Lebensmittel-Lager

Harald Neuber

Wenige Tage vor Beginn der Afghanistan-Konferenz in Bonn erheben in Pakistan und Afghanistan ansässige Hilfsorganisationen Vorwürfe gegen die Truppen der Nordallianz. Informationen afghanischer Mitarbeiter der Welthungerhilfe zufolge seien Lager mit Hilfsgütern in Dschalalabad von der Nordallianz geplündert worden. Die Arbeit der Hilfsorganisation sei danach völlig zum Erliegen gekommen, sagte Volker Hausmann, Vorsitzender der Welthungerhilfe in Deutschland. Nachdem Dschalalabad von den Fraktionen Nordallianz aufgeteilt wurde, seien zudem Telefonleitungen nach Pakistan gekappt.

Informationen, nach denen auch Räume der Vereinten Nationen in Dschalalabad von Milizen der Nordallianz besetzt und Fahrzeuge eingezogen wurden, kommentierten UN-Vertreter in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zurückhaltend. "Es scheint in Dschalalabad einige Probleme zu geben", sagte Khaled Mansour, Obmann des UN-Welternährungsprogramms. Von der Bonner Afghanistan-Konferenz erwartet Mansour Vereinbarungen über den Schutz der Hilfstransporte der humanitären Organisationen.

Tatsächlich ist nach Ansicht der Hilfsorganisationen neben den Meldungen über militärische Siege der Nordallianz die immer schlechtere Versorgungslage in Vergessenheit geraten. "Von den seit Beginn des Konfliktes bestehenden Problemen konnte bislang kein einziges gelöst werden", beklagt auch Barbara Krumme, Projektleiterin des katholischen Hilfswerkes Caritas. So seien die Grenzen nach wie vor geschlossen, während der Wintereinbruch die Versorgungslage weiter verschlechtere. Ob diese Probleme in der kommenden Woche in Bonn diskutiert werden, hängt indes vom guten Willen der afghanischen Parteien ab.

Thomas Ruttig, Koordinator der UN-Sondermission für Afghanistan, bestätigte, dass humanitäre Fragen zunächst nicht auf der Konferenz diskutiert werden sollen. Das könne aber durchaus noch passieren, "wenn die afghanischen Parteien sie auf die Tagesordnung setzen", sagte er. Zentrales Konferenzthema sei die Sicherheitslage.

Unterdessen hat das UN-Welternährungsprogramm am Freitag eine Luftbrücke zur Versorgung der Notleidenden in Afghanistan gestartet. Eine Transportmaschine brachte von Tadschikistan aus 17 Tonnen Weizenmehl nach Feisabad im Nordosten Afghanistans. In der Region sind nach UN-Angaben 270 000 Menschen vom Hungertod bedroht. In den kommenden Wochen sind pro Tag vier Flüge geplant. "Die Zeit läuft, der Winter hat begonnen, und wir müssen die Nahrungsmittel so schnell wie möglich zu den am schwierigsten erreichbaren Gebieten im Norden schaffen", erläuterte ein WFP-Experte. Mit Hilfe der Luftbrücke könnten die Hilfsgüter schnell und effizient dorthin gebracht werden.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat angekündigt, einen Stützpunkt zur Koordinierung der humanitären Hilfe einzurichten. Wie die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete, hat Putin sein Katastrofenministerium mit der Planung beauftragt. Noch vor Ende des Monats solle eine russische Delegation mit der Nordallianz über Ort und Umfang der Hilfe beraten.

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass insgesamt 7,5 Millionen Afghanen auf Hilfe angewiesen sind, davon sechs Millionen innerhalb von Afghanistan. Für ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln will das UN-Welternährungsprogramm 260 Millionen US-Dollar ausgeben.

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