Kampf gegen Islamischen Staat : Irakische Soldaten erobern Regierungsviertel von Ramadi

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bekräftigt, der IS sei "nicht unbesiegbar". Bei Anschlägen in der syrischen Stadt Homs sterben zahlreiche Menschen.

Victory-Zeichen im Regierungsviertel: Irakische Soldaten haben die Stadt Ramadi vom IS zurückerobert.
Victory-Zeichen im Regierungsviertel: Irakische Soldaten haben die Stadt Ramadi vom IS zurückerobert.Foto: REUTERS

Nach erbitterten Gefechten hat die irakische Armee die Stadt Ramadi vollständig von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zurückerobert. Irakische Soldaten hissten am Montag die Nationalflagge über dem Sitz der Provinzregierung von Ramadi. Frankreichs Präsident François Hollande sprach vom bisher "wichtigsten Sieg" im Kampf gegen die IS-Extremisten.

"Ramadi ist befreit", sagte Brigadegeneral Jahja Rasool im irakischen Staatsfernsehen. Der Amtssitz der Provinzregierung war die letzte IS-Bastion in der Stadt, die die Dschihadisten im Mai eingenommen hatten. Anti-Terror-Einheiten vertrieben am Sonntag die letzten IS-Kämpfer aus dem Gebäudekomplex.

Die Armee muss aber noch zahlreiche, vom IS gelegte Sprengfallen entschärfen. Allein in den Regierungsgebäuden und den Zufahrtsstraßen wurden nach Militärangaben 300 Bomben und Sprengsätze deponiert. Die Armee suchte auch noch nach einzelnen, womöglich versteckten IS-Kämpfern.

Die IS-Miliz hatte das Stadtzentrum mit rund 400 Kämpfern verteidigt, unklar war, wieviele getötet wurden und wieviele fliehen konnten. Auf Regierungsseite wurden nach Angaben von Ärzten allein am Sonntag fast hundert Soldaten in Krankenhäuser eingeliefert.

Der irakische Parlamentspräsident Salim al-Dschuburi beglückwünschte die Soldaten zur "Befreiung der Stadt Ramadi vom Terrorismus". Nun könne die Armee die Rückeroberung der Provinz Niniwe in Angriff nehmen, sagte er. In der dortigen Provinzhauptstadt Mossul hatte IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi vor eineinhalb Jahren sein "Kalifat" ausgerufen.

Steinmeier: "IS nicht unbesiegbar"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte in Berlin, die Rückeroberung Ramadis zeige einmal mehr, dass der "IS nicht unbesiegbar ist, weder im Irak noch in Syrien". Er versprach auch schnelle Wiederaufbauhilfe. Frankreichs Staatschef Hollande nannte die Rückeroberung Ramadis eine "entscheidende Etappe" bei der Wiederherstellung der staatlichen Autorität im Irak.

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Der IS hatte die hundert Kilometer westlich von Bagdad gelegene Hauptstadt der Provinz Anbar im Mai erobert. Anfang Dezember eroberte die Armee, die von Kampfflugzeugen der US-geführten internationalen Militärallianz unterstützt wird, mehrere Stadtteile von Ramadi zurück. Am vergangenen Dienstag rückte sie ins Stadtzentrum vor. Im Laufe der Woche flog die internationale Koalition nach eigenen Angaben 31 Luftangriffe auf Ramadi, um die irakischen Soldaten zu unterstützen. Schiitische Milizen waren an der Rückeroberung nicht beteiligt.

Der IS hatte im Sommer 2014 große Teile Syriens und des Nordiraks erobert. Nach Angaben eines US-Instituts verlor die islamistische Miliz seit Jahresbeginn aber 14 Prozent ihres Gebietes. In Syrien wurden derweil auf Grundlage eines ungewöhnlichen Abkommens zwischen Rebellen und Regierung 450 Menschen aus drei lange umkämpften Orten weggebracht. Aus Sabadani, der letzten Rebellenbastion an der Grenze zum Libanon, seien am Montag mehr als 120 Kämpfer und Zivilisten abgezogen worden, darunter auch Verletzte, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Sie würden nun über den Libanon und die Türkei in andere Rebellengebiete in Syrien gebracht.

Aus den letzten von Regierungstruppen gehaltenen schiitischen Ortschaften in der nordwestlichen Provinz Idlib, Fua und Kafraja, wurden im Gegenzug 335 Zivilisten und Kämpfer herausgebracht, teilte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle weiter mit. Sie sollten über die Türkei und den Libanon nach Damaskus gebracht werden. Der zuständige Koordinator der UNO, unter deren Schirmherrschaft der Austausch zwischen Regierung und Rebellen im September beschlossen worden war, sprach von einer "erfolgreichen" Operation.

Zahlreiche Tote bei Anschlägen in Homs

Bei Anschlägen in der einstigen Rebellenhochburg Homs wurden nach Angaben der syrischen Staatsmedien am Montag mindestens 19 Menschen getötet und dutzende weitere verletzt. Die Syrische Beobachtungsstelle sprach von 32 Toten. Die meisten Einwohner des Viertels sind wie Staatschef Baschar al-Assad und seine Familie Alawiten. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein dichtes Netz von Informanten in Syrien; ihre Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden. (AFP)


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