Politik : Kampf gegen Kinderpornographie: Schlag gegen die Täter im Netz

Kurt Sagatz

Im Kampf gegen die Verbreitung von Kinderpornografie ist den Ermittlungsbehörden ein großer Erfolg geglückt. Durch die Auswertung der Verbindungsdaten einer bei T-Online gespeicherten privaten Homepage konnte die Identität zahlreicher Internet-Nutzer in Deutschland festgestellt werden, die sich die Kinderporno-Site des "Jungen Prinzen" angesehen oder von dort pornografische Bilder heruntergeladen hatten. Nun hat das Magdeburger Landeskriminalamt zugeschlagen. Über 60 Beamte waren bei einer Razzia im Einsatz. Und wurden fündig. Bei den Durchsuchungen von 20 Objekten in Sachsen-Anhalt am Donnerstag wurde nach Angaben des LKA diverses Material sichergestellt, darunter 20 Computer, zwei Laptops und Tausende von Computer-CDs und Disketten sowie anderes pornografisches Material. Bei den Besitzern der Computer handelte es sich um Männer im Alter zwischen 20 und 45 Jahren. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Dem Wiesbadener Bundeskriminalamt liegen für das erste Halbjahr 2000 bereits 549 Verdachtsfälle für Kinderpornografie im Internet vor. Im Verfahren um den "Prinzen" rechnet das Amt mit mehr als 1000 Ermittlungsverfahren.

Den Anstoß zu dem Verfahren gab ein Hinweis eines Internet-Nutzers, der T-Online Ende Juni darauf hinwies, dass über eine private Homepage des Providers Kinderpornografie vertrieben wurde. Insgesamt laufen bei T-Online 277 000 private Internetsites. Nach dem Hinweis handelte T-Online gesetzeskonform und verständigte die Justiz. Die Ermittlungsbehörden forderten das Unternehmen später dazu auf, die Seite nicht sofort zu sperren, um weitere Aufschlüsse über die Nutzer des Angebots zu erhalten. Zudem händigte T-Online den Behörden die Verbindungsdaten aus, die zur Identitätsfestellung führten. Inzwischen ist die Seite vom Provider abgeschaltet worden.

Anders sieht die Situation jedoch aus, wenn der Betreiber der Seite im Ausland sitzt. Hier liege auch das eigentliche Problem bei der Verbreitung von Kinderpornografie über das Internet, meint der Jurist und Spezialist für Computerkriminalität, Stefan Jaeger. Über das Netz könnten Pädophile nun die ihre Perversionen aus dem weltweiten Angebot befriedigen. Gleichwohl wandte sich der Anwalt gegen Forderungen, die Provider müssten selbst die Angebote ihrer Kunden durchforsten. Dies sei allein technisch nicht zu leisten. Über Initiativen wie das "Netz gegen Kinderporno" hätten die Netzbenutzer die Möglichkeit, anonym Hinweise zu geben. Auch über die Seite der "Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia Dienstleister" (FSM) können Hinweise weitergeleitet werden, ergänzte T-Online-Sprecher Frank Domagala.

Im Fall des "Jungen Prinzen" ist nicht allein T-Online betroffen. Ein Teil der Verbindungsdaten führt zu deutschen AOL-Nutzern, wie Sprecher Carsten Meincke bestätigte. Von den 560 000 Abfragen, die die Kinderporno-Seite in kurzer Zeit registrierte, seien über 10 000 von AOL-Nutzern gekommen. Aber auch wenn nun eine neue Diskussion um die Selbstverantwortung der Provider zu erwarten sei, halte er dies für den falschen Weg, weil es zu schnell als Zensur gewertet werden könnte.

Allerdings ist dem Problem allein mit Hinweisen aus der Internet-Nutzerschaft kaum beizukommen. Für T-Online war dieser Hinweis der erste in Zusammenhang mit Kinderpornografie, der zum Abschalten einer Seite führte. Und bei AOL hat es in diesem Jahr auch noch keinen Fall gegeben, bei dem wegen Kinderpornografie die Leitung gekappt wurde. Und die meisten Pornosites werden eh nur als Mundpropaganda über Chatrooms und besonders abgeschottete Newsgroups weitergereicht. Der Jurist Jaeger: "Geschnappt werden am Ende nur die, die sich blöd anstellen."

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