Politik : Kampf gegen Terror: Angriff ist die beste Verteidigung

Birgit Cerha

Als erster arabischer Staat startete Jemen seine eigene militärische Offensive gegen das Al-Qaida-Netzwerk von Osama bin Laden. Die US-Behörden hatten dem Regime Abdullah Saleh die Namen von drei radikalen Scheichs vorgelegt, die Beziehungen zu dem saudischen Terrorchef unterhielten und verhaftet werden müssten. Eine solche Maßnahme aber stellte das Regime vor beträchtliche Schwierigkeiten. In Jemen genießen bis heute die Stämme starken Einfluss und können sich vielfach der Autorität des Staates entziehen. Zudem gibt es - außer Afghanistan - in kaum einem anderen Land der Welt so viele Schußwaffen. Laut Statistik mindestens drei pro Bürger. Nach Berichten aus Sanaa hatten sich Stammesangehörige in den vergangenen Tagen auch entschieden geweigert, die drei gesuchten Extremisten auszuhändigen. Sicherheitsaktionen des Staates werden außerdem durch das schwer zugängliche Gebirgsterrain behindert.

Zum Thema Dokumentation: Kampf gegen Terror
Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan
Mit der Entscheidung, nun gewaltsam gegen die drei Al-Qaida-Mitglieder vorzugehen, hat Präsident Saleh seine ungewöhnliche Entschlossenheit bewiesen. Jemen wird seit Wochen in westlichen Medien immer wieder als mögliches nächstes Ziel im amerikanischen Anti-Terror-Krieg genannt. Einerseits könnten Al-Qaida-Terroristen aus Afghanistan dort Zuflucht finden. Die Grenzen des Landes, die mehr als 2000 Kilometer lange Küste streng zu bewachen, ist praktisch unmöglich. Andererseits gilt Jemen auch seit langem als Hort diverser Extremisten aus verschiedenen arabischen Staaten. Aus keinem anderen arabischen Land zogen so viele Mudschaheddin (später "Afghan-Araber" genannt) in den 80er Jahren nach Afghanistan, um mit ihren Glaubensbrüdern gegen die sowjetische Besatzungsmacht zu kämpfen. Viele von ihnen schlossen sich später der Al-Qaida an.

Andere kehrten nach Jemen zurück. Seither gibt es Gerüchte, Al-Qaida unterhalte in entlegenen Gebirgsregionen unter dem Schutz lokaler Scheichs Terror-Trainingslager. In der Vergangenheit ließ die Präsenz von Al-Qaida-Anhängern die Regierung gleichgültig, solange diese im Land selbst keine Unruhe stifteten. Erstmals trat eine Verbindung zwischen jemenitischen Extremisten und bin Laden im Vorjahr offen zutage, als bei einem Selbstmordanschlag auf das im Hafen von Aden liegende US-Kriegsschiff USS-Cole 17 US-Marines getötet worden waren.

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