Politik : Kampf gegen Terror: Bush: Die Zeit der Taliban läuft ab

Der amerikanische Präsident George W. Bush hat noch einmal eine eindringliche Warnung an die Taliban in Afghanistan gerichtet. Ihnen sei Gelegenheit gegeben worden, alle Terroristen auszuliefern und deren Ausbildungslager zu schließen, sagte Bush in seiner wöchentlichen Radioansprache. Mit Blick auf die wiederholten Warnungen erklärte der Präsident: "Die Zeit läuft ab."

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Fotos: Die Ereignisse seit dem 11. September in Bildern Bush bekräftigte zugleich, dass sich sein Krieg gegen die Taliban und die von ihnen in Afghanistan versteckten Terroristen und nicht gegen die afghanische Zivilbevölkerung richte. "Wir bieten dem afghanischen Volk Hilfe und Freundschaft an", sagte der Präsident. Fürchten müssten sich lediglich die herrschenden Taliban und die im Land lebenden Terroristen.

Bush forderte den US-Kongress auf, der Schaffung eines Fonds zum Wiederaufbau und der Entwicklung Afghanistans nach dem möglichen Ende der Taliban-Herrschaft zuzustimmen. Im Rahmen des "Afghanistan-Friedensgesetzes" könne auch die gegen die Taliban kämpfende afghanische Nordallianz finanziell unterstützt werden, hieß es. Die internationale Gemeinschaft stellt 600 Millionen Dollar Hilfe bereit, um die drohende humanitäre Katastrophe in Afghanistan zu verhindern. Die Summe wird von internationalen Hilfsorganisationen, UN-Agenturen und einer Reihe von Staaten aufgebracht. Den Taliban warf Bush in seiner Ansprache neben der Förderung des Terrorismus im Ausland vor, auch die Bevölkerung im eigenen Land zu terrorisieren. So würden die Frauen unterdrückt und Regimegegner verfolgt.

Auch der britische Premierminister Tony Blair betonte, die internationale Kampagne gegen den Terrorismus solle bis zum Sturz der afghanischen Taliban-Regierung geführt werden. Die Taliban seien "klar gescheitert", sagte Blair am Samstag nach einem Treffen mit dem indischen Regierungschef Atal Behari Vajpayee in Neu-Delhi. Der Kampf "gegen die Terroristen und die Taliban" werde entschlossen zu Ende geführt.

Unterdessen griff die Taliban-Miliz ein fremdes Flugzeug über Kabul an. Wie der arabische Fernsehsender El Dschasira berichtete, feuerten die Taliban am Samstag eine Boden-Luft-Rakete gegen die nicht identifizierte Maschine ab, die über der afghanischen Hauptstadt kreiste. Das Geschoss habe das Flugzeug jedoch verfehlt. Die Maschine kreiste laut Augenzeugen zweimal über Kabul. In den Straßen brach Panik vor einem möglichen Angriff aus.

Derweil boten die Taliban am Samstag die Freilassung der acht Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now an. Bedingung sei, dass die USA das Land nicht länger militärisch bedrohten, berichtete die den Taliban nahe stehende private Nachrichtenagentur AIP unter Berufung auf eine Erklärung des Außenministeriums.

In der Erklärung zu den Shelter-Now-Mitarbeitern hieß es, die USA sollten erklären, dass das afghanische Volk sicher sei und nicht angegriffen werde. Wenn dies geschehe, würden die Taliban Schritte zur Freilassung der acht Ausländer einleiten. Weiter hieß es, den Taliban lägen weiterhin keine Beweise vor, dass der mutmaßliche Terroristenführer Osama bin Laden für die Terroranschläge in den USA verantwortlich sei.

AIP zufolge ordnete Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar die Freilassung der Journalistin Yvonne Ridley an. Die Frau solle noch am Wochenende auf freien Fuß gesetzt werden. Sie war am 28. September südlich von Dschalalabad zusammen mit zwei afghanischen Führern festgenommen worden. Die 43-Jährige arbeitet in London für die Zeitung "Sunday Express" und sollte über das Leid der afghanischen Zivilbevölkerung berichten. Die Taliban hatten gegen sie wegen Spionage ermittelt.

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