Politik : Kampf gegen Terror: Bush gibt Taliban zweite Chance

US-Präsident George W. Bush hat im Kampf gegen den Terror eine positive Zwischenbilanz gezogen. Bush sagte am Donnerstagabend Ortszeit auf einer live übertragenen Pressekonferenz im Weißen Haus, nach fünftägigen Luftangriffen seien die Terroristen von "Al Qaida" auf der Flucht. Die USA würden ihre Kampagne gegen Afghanistan überdenken, wenn die dortige Taliban-Regierung bin Laden ausliefere. Unterdessen protestierten weltweit Zehntausende von Moslems gegen den Militäreinsatz. Im pakistanischen Karachi lieferten sich 20 000 Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei.

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Umfrage: Bodentruppen nach Afghanistan? Aus Protest gegen die Solidarität des pakistanischen Militärmachthabers Musharraf mit den USA versuchten in der iranischen Grenzstadt Sahedan Demonstranten, das pakistanische Konsulat zu stürmen. Nach Angaben der Polizei gab es bei den Protesten keine Verletzten. In der Hauptstadt Teheran kamen mehrere tausend Menschen zusammen. In Srinagar in Kaschmir versammelten sich vor der Hauptmoschee rund 1000 Moslems zu anti-amerikanischen Protesten. Auch in Malaysia, Indonesien, Kenia und Bangladesh kam es zu anti-amerikanischen Protesten, die jedoch weitaus kleiner ausfielen als erwartet.

Zuvor war Bush in seiner Rede auch auf Irak eingegangen und hatte Staatschef Saddam Hussein als "bösen Menschen" bezeichnet. Bush fügte an: "Wir beobachten ihn sehr sorgfältig." Zwar liege das derzeitige Augenmerk auf Afghanistan, man suche aber auf der ganzen Welt nach Zellen von "Al Qaida".

Nach den Worten von UN-Generalsekretär Kofi Annan haben die USA derzeit nicht vor, ihre Militäroperationen gegen den Terrorismus auf andere Staaten auszudehnen. Dieser Eindruck sei ihm in Gesprächen vermittelt worden, sagte Annan am Freitag vor Journalisten in New York.

US-Präsident Bush dankte auch Deutschland für die Unterstützung nach den Terroranschlägen vom 11. September. In seiner ersten politischen Grundsatzrede überbrachte der neue US-Botschafter in Deutschland, Daniel Coats, am Freitag in Berlin eine persönliche Botschaft Bushs. Darin heißt es: "Amerika wird nie die 200 000 Deutschen vergessen, die zum Brandenburger Tor kamen, um ihrem Schmerz und ihrer Solidarität Ausdruck zu verleihen."

Die Terrororganisation "Al Qaida" setzte einem Zeitungsbericht zufolge eine Belohnung von 50 000 US-Dollar (rund 55 000 Euro) für jeden in Afghanistan gefangen genommenen US-Soldaten aus. Das meldete die pakistanische Zeitung "Ausaf" am Freitag unter Berufung auf einen Sprecher des Terrornetzwerks.

Unterdessen gingen die US-Luftangriffe gegen Stellungen der Taliban in Afghanistan mit unverminderter Härte weiter. Die US-Luftwaffe flog in der Nacht zum Freitag, der fünften Nacht in Folge, erneut heftige Angriffe auf die Hauptstadt Kabul, die Taliban-Hochburg Kandahar, Dschalalabad sowie MazareSharif, wie die afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete.

Die Bundeskriminalpolizei FBI befürchtet "in den nächsten Tagen" weitere Terroranschläge in den USA oder gegen amerikanische Ziele im Ausland. Sie rief daher alle Behörden und Bürger zu höchster Wachsamkeit auf.

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