Politik : Kampf gegen Terror: Fluchtpunkt Pakistan

Gabriele Venzky/Ashwin Raman

Für die USA ist der Afghanistan-Krieg erst dann zu Ende, wenn der Terroristenführer Osama bin Laden und Taliban-Chef Mullah Omar gefangen sind. Doch die oppositionelle Nordallianz in Afghanistan ist daran nicht sonderlich interessiert. Mit den Taliban-Kämpfern hat die Nordallianz auf typisch afghanische Weise lange Verhandlungen geführt und sie dann samt ihren Kommandeuren laufen lassen. Die Taliban sind einfach in den Dörfern des Landes versickert, geschützt von ihren Stämmen, die in weiten Teilen des Landes nach wie vor große Sympathien für die harschen Regeln der Islamisten haben. Die ausländischen Kämpfer, die so genannten arabischen Taliban, haben sich dagegen über die Grenze nach Pakistan abgesetzt, unter ihnen womöglich auch der spurlos verschwundene bin Laden. Bei einer Schießerei an der pakistanischen Grenze wurden mindestens sieben Kämpfer der Terrororganisation Al Qaida sowie acht pakistanische Soldaten und Paramilitärs getötet. Die gefangen genommenen Kämpfer hatten sich zuvor der Waffen ihrer Bewacher bemächtigt.

Zum Thema Dokumentation: Kampf gegen Terror
Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan
Fast alle Kommandeure der afghanischen Ostallianz sind überzeugt davon, dass bin Laden in der Gegend um die pakistanische Stadt Peschawar untergetaucht ist. Nach der Eroberung der Bergfestung Tora Bora gab es Gerüchte, dass Teile der Ostallianz den Kämpfern der Al Qaida gegen Bezahlung die Flucht Richtung Khyber-Pass ermöglichten. Die Flüchtlingsströme nach Pakistan werden zwar nun genauer auf flüchtende Al-Qaida-Kämpfer durchkämmt. Aber der Fluchtweg über die Berge ist von außen nur schwer zu kontrollieren. Von Tora Bora ist Pakistan nur 30 Kilometer entfernt. Und zwar nicht irgendein Teil Pakistans, sondern die wilde Nordwest-Grenzprovinz mit ihren auf Eigenständigkeit bedachten pathanischen Stämmen. Das sind die gleichen Stämme wie jenseits der Grenze in Afghanistan, wo sie Paschtunen heißen. Die kriegerischen Pathanen haben für ihre Stammesgebiete einen Sonderstatus. Sie werden zwar offiziell von der Regierung in Islamabad "verwaltet", aber in Wahrheit trauen sich weder pakistanische Behörden noch die Polizei in das praktisch autonome Gebiet. .

Bin Laden hat die Unterstützung vieler dieser Stämme und auch vieler Flüchtlinge im Grenzgebiet Pakistans. Kamal Khan, der Militärexperte der pakistanischen Zeitung "The News", sagte dazu: "Das Grenzgebiet ist fast 2000 km lang und unmöglich zu kontrollieren. Bin Laden genießt in vielen Teilen des Landes weiterhin Popularität." Die Vorstellung, dass bin Laden in Pakistan sein könnte, bereite dem pakistanischen Miliärmachthaber Pervez Musharraf schlaflose Nächte. Zudem weiß Musharraf genau, dass seine Offiziere, vor allem die des Geheimdienstes, die die Taliban erst geschaffen haben, nach wie vor mit den Islamisten symapthisieren. Viele bewaffnete islamistische Gruppierungen in Pakistan sind zum Teil mit den Taliban und Al Qaida eng verbunden und haben sogar in Afghanistan gekämpft.

Musharrafs Militärberater, General Rashid Qureshi, sagte jedoch dem Tagesspiegel: "Die Grenzen sind wasserdicht. Die diversen Stammesführer haben uns ihre Kooperation bei der Suche nach bin Laden versprochen. Zusätzlich zur Grenzpolizei haben wir Militär und Panzer mobilisiert." Es sei eine "interne Angelegenheit" Pakistans, bin Laden zu fassen, falls er sich im Land aufhalte, betonte General Rashid. Die USA haben offensichtlich wenig Vertrauen in die Fähigkeit Pakistans, bin Laden zu finden. Musharraf hat bereits die Stationierung amerikanischer Spezialeinheiten in der Provinz Balutschistan zugelassen. Der Bau von Baracken für 500 Soldaten hat in diesen Tagen begonnen.

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