Kampf gegen Terror : Geheimdienste fassen Taliban-Vize

Mullah Baradar gilt als Nummer zwei in der Taliban-Hierarchie und als enger Vertrauter von Osama bin Laden. Der pakistanische Geheimdienst soll nun an seiner Festnahme beteiligt gewesen sein - die die Taliban allerdings bestreiten.

Den pakistanischen und US-Geheimdiensten scheint ein bedeutender Schlag gegen die radikalislamischen Taliban gelungen zu sein. Mullah Abdul Ghani Baradar, einer ihrer Spitzen-Militärführer, ist nach Angaben von US-Regierungsbeamten in Pakistan gefasst worden. Wie die New York Times in ihrer Onlineausgabe berichtete, nahmen die Sicherheitsbeamten Mullah Baradar bei einer gemeinsamen Operation in der pakistanischen Hafenstadt Karatschi fest. Pakistanische Sicherheitskreise bestätigten die Festnahme.

Ein Taliban-Vertreter sagte hingegen laut Medienberichten, Baradar sei frei. Der Kommandeur halte sich weiterhin in Afghanistan auf und organisiere hier die militärischen Einsätze der Aufständischen, sagte Taliban-Sprecher Sabihulla Mudschahid.

Und auch Pakistans Innenminister wies die Berichte zurück. Die New York Times schreibe "keine göttliche Wahrheit" und könne mit ihrem Bericht auch falsch liegen, sagte Rehman Malik, ohne die Festnahme zu bestätigen oder zu dementieren. "Wir überprüfen alle, die wir festnehmen. Wenn ein dickes Zielobjekt dabei ist, werde ich das der Nation mitteilen", sagte er. Die USA und Pakistan teilten zwar Geheimdienstinformationen miteinander, gemeinsame Ermittlungen oder Razzien gebe es jedoch nicht. "Wir sind ein souveräner Staat und werden deshalb niemandem erlauben, hierher zu kommen und einen Einsatz durchzuführen." Der Bericht sei deshalb "Propaganda".

Mullah Baradar war Teil des Führungsrates der Taliban, der sogenannten Quetta-Schura. Die Amerikaner beschreiben ihn als den wichtigsten Taliban, den sie seit dem US-Einmarsch in Afghanistan vor mehr als acht Jahren fassten. Er gilt als fast so einflussreich wie Taliban-Gründer Mullah Mohammed Omar und als enger Vertrauter des Al-Qaida-Führers Osama bin Laden. 

Die Sicherheitsleute ergriffen Baradar bereits vor einigen Tagen. Seitdem verhören ihn amerikanische und pakistanische Geheimdienstbeamte. Es sei unklar, ob er aussage. Die Geheimdienste hoffen, dass er möglicherweise etwas über den Verbleib von Mullah Omar und anderer Top-Terroristen sagen könne. Einzelheiten über seine Festnahme bleiben im Verborgenen.

In den vergangenen Monaten sollen immer mehr Taliban-Führer nach Karatschi gekommen sein. Nach Einschätzung eines Diplomaten in der afghanischen Hauptstadt Kabul sollen auch Mullah Omar und andere wichtige Taliban in der Stadt sein.

Ein früherer ranghoher Taliban sagte der New York Times, Baradar sei in der Taliban-Hierarchie der zweitwichtigste Mann nach Omar gewesen. "Er und Omar können sich aus Sicherheitsgründen nicht sehr häufig treffen, jedoch haben sie ein sehr gutes Verhältnis zueinander." Kurz nach den Anschlägen vom 11. September wurde Mullah Baradar von Mullah Omar mit dem Oberkommando über die Taliban-Kämpfer im Norden Afghanistans betraut. In dieser Rolle war er Chef einer Gruppe von arabischen und ausländischen Aufständischen, die in den nordafghanischen Städten Kundus und Masar-i-Sharif operierten.

Der CIA-Beamte Bruce O. Riedel sagte dem Blatt zufolge, die Festnahme Baradar könne zumindest kurzfristig die Militäroperationen der Taliban erschweren. Riedel leitete im vergangenen Jahr die Neueinschätzung der Situation in Pakistan und Afghanistan für die US-Regierung.

Im November 2001, als das Taliban-Regime nach der amerikanischen Invasion zusammenbrach, fassten mit den USA verbündete, afghanische Milizen Mullah Baradar und mehrere andere Taliban-Führer. Auf die Intervention von pakistanischen Geheimdienstagenten kamen Mullah Baradar und andere Taliban-Führer wieder frei, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen ranghohen Vertreter der Nordallianz, ein gegen die Taliban gerichtetes Bündnis afghanischer Milizen.

Offizielle der US-Armee sagten, die Hilfe des pakistanischen Geheimdienstes ISI bei der Gefangennahme Baradars deute auf ein neues Niveau der Zusammenarbeit mit pakistanischen Behörden hin. Offenbar sei man in den dortigen Sicherheitskreisen zu der Einsicht gelangt, dass man die Taliban nicht länger stillschweigend unterstützen könne, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Die Taliban hatten in den letzten Jahren zunehmend in Pakistan Fuß gefasst. Im vergangenen Jahr hatte die pakistanische Armee in einer groß angelegten Operation die Taliban aus dem Swat-Tal an der Grenze zu Afghanistan vertrieben.

Währenddessen setzen internationale und afghanische Verbände die radikalislamischen Rebellen mit ihrer Großoffensive im Süden Afghanistans unter Druck. Etwa 15.000 Soldaten sind an dem in der Nacht zum Samstag begonnenen Einsatz "Muschtarak" (Gemeinsam) in der Unruheprovinz Helmand beteiligt. Ziel der größten Offensive seit dem Sturz des Taliban-Regimes ist es, die Rebellen aus der Region Mardscha zu vertreiben.

Quelle: ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa

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