Politik : Kampf gegen Terror: Ins Zentrum der Macht

Elke Windisch

Im Vorfeld der für kommende Woche in Bonn geplanten Afghanistan-Konferenz versucht die Nordallianz vollendete Tatsachen zu schaffen. Ihr Sprecher attestierte der Konferenz nur "rein symbolische Bedeutung". Nach den erdrückenden militärischen Erfolgen der Taliban-Gegner scheinen die Entwicklungen in der Tat eher auf ein Modell konzentrischer Kreise hinauszulaufen, deren Zentrum die engsten Gefolgsleute des 1996 von den Taliban gestürzten Präsidenten Burhanuddin Rabbani sind, der nun in Kabul eine Interimsregierung bildet. Als nicht verhandelbar gelten dabei die gegenwärtigen Ressortchefs für Äußeres, Inneres und Verteidigung.

Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen
Schwerpunkt: Wege jenseits der Bomben
Fotostrecke: Krieg in Afghanistan
Außenminister Abdullah Abdullah soll auch die Fiktion einer Beteiligung der Paschtunen an der Regierung unterstützen. Sein Vater ist zwar ein Paschtune aus Kandahar, doch aufgewachsen ist Abdullah im Pandschir-Tal, der Heimat seiner tadschikischen Mutter. Der promovierte Augenarzt schloss sich den Mudschahedin erst 1984 an, dann wurde er Pressechef für Rabbani und später für den langjährigen Führer der Nordallianz, Ahmed Schah Massud.

Innenminister Yunus Qanuni und Verteidigungsminister Muhammad Fahim Khan sind ebenfalls ethnische Tadschiken. Der Theologe Qanuni war Student Rabbanis, der ihn im Kampf gegen die Sowjets erst zum Verantwortlichen für die politisch-ideologische Ausbildung der Mudschahedin machte und später zum stellvertretenden Verteidigungsminister. In Rabbanis Exilregierung wurde er 1996 Innenminister und jetzt im Amt bestätigt. Fahim, der den im September ermordeten Massud als militärischen Führer der Nordallianz beerbte und ihm nach Beginn des US-Luftkriegs auch als Verteidigungsminister in der Exilregierung nachfolgte, studierte in Kabul islamisches Recht und kämpfte dann mit Massud und Rabbani gegen die Taliban. Zuvor war er in Rabbanis Kabinett Chef der Abwehr und später Sicherheitsminister.

Im zweiten konzentrischen Kreis sehen Experten die Verbündeten der Nordallianz - Usbeken-General Abdurraschid Dostum, Hazará-Vormann Karim Chalili und den Führer der schiitischen Paschtunen Ismail Khan. Sie möchte die Rabbani-Truppe mit den Posten stellvertretender Minister abspeisen. Die Warlords selbst dürften Gouverneursposten - Dostum im Nordwesten und Ismail Khan in Herat - mit weitestgehender Autonomie einfordern und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bekommen.

Der dritte Kreis dürfte Auffangbecken für Paschtunenführer werden, die sich nicht durch Kollaboration mit den Taliban diskreditiert haben, darunter Königs-Berater Seyyid Ahmad Gailani und Expremier Gulbuddin Hekmatyar, eventuell auch Rabbanis ehemaliger Außenminister Hamid Karsai. Im vierten Kreis dürften sich nach diesem Schema Heimkehrer aus dem Exil wiederfinden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar