Politik : Kampf gegen Terror: Iran fordert Irak-Initiative der UN

Martin Gehlen

Iran hat die Verbündeten der Vereinigten Staaten aufgefordert, die USA im Kampf gegen den Terrorismus von möglichen militärischen Alleingängen abzubringen. Der iranische Außenminister Kamal Charrasi sagte vor einer Unterredung mit Außenminister Joschka Fischer am Mittwoch in Berlin, in der US-Politik zeichne sich ein Unilateralismus ab, der "nicht sehr hilfreich" sei. Charrasi war am Vortag zu einem zweitägigen Besuch in Berlin angekommen. Fischer äußerte sich bei dem Treffen nicht öffentlich. Der Grünen-Politiker hatte jedoch schon zuvor kritische Töne gegenüber den USA angeschlagen, die ihre Verbündeten nicht als Satelliten behandeln sollten.

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Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan
Als eine Beleidigung des iranischen Volkes hatte Charrasi zuvor in einem Gespräch mit Journalisten die Kritik von US-Präsident George W. Bush bezeichnet, der Iran gehöre zu einer Achse des Bösen. In seinen Augen versuchen die Vereinigten Staaten, einzelne Völker zu verurteilen und allen anderen ihren Willen aufzuzwingen. "Wir glauben nicht, dass man die Welt so führen kann", erklärte der Reformpolitiker. Er plädierte stattdessen für eine stärkere Rolle der Vereinten Nationen im Kampf gegen den Terrorismus.

Charrasi appellierte an die europäischen Staaten, sich solchen amerikanischen Alleingängen zu widersetzen. Das gelte auch für das weitere Vorgehen gegen den Irak. "Ein Militärangriff kann die Probleme nicht lösen", sagte der Politiker. Gegenüber Saddam Hussein müsse die UN wieder die Initiative ergreifen und Inspektionen durchsetzen, erklärte Charrasi, dessen Land sich von 1980 bis 1988 einen Krieg geliefert hatte, bei dem mehr als eine Million Menschen ihr Leben verloren.

Charrasi lobte die Beziehungen des Iran zu Europa. Die Gespräche über eine engere Wirtschaftskooperation gingen gut voran. Besonders hob der Außenminister das Verhältnis zu Deutschland hervor. Auf die Verhaftungen von Teilnehmern der von der Böll-Stiftung 1999 veranstalteten Iran-Konferenz angesprochen, sagte der Reformpolitiker, auch er sei nicht glücklich über die damaligen Ereignisse. Er hoffe, dass die noch in Haft befindlichen iranischen Teilnehmer "bald zu ihren Familien zurückkehren können".

Im Blick auf die Situation im Nahen Osten erklärte der iranische Außenminister, die Politik "der eisenen Faust" von Israels Ministerpräident Scharon sei gescheitert. Sie löse keine Probleme und beschwöre täglich neue Gefahren herauf. Vorwürfe, der Iran sei in den palästinensischen Waffenschmuggel mit dem Schiff "Karina A" verwickelt, wies Charrasi zurück. Bislang habe niemand seiner Regierung Beweise dafür vorlegen können, "damit wir der Sache nachgehen und herausfinden können, wer seine Finger im Spiel hatte". Im Übrigen sei es naiv zu glauben, der Iran würde unter den Augen von Aufklärungssatelliten in aller Öffentlichkeit ein Schiff mit Waffen vollladen und nach Palästina schicken. In seinen Augen hat Israel den Waffenschmuggel selbst inszeniert, um gegen Arafat härter vorgehen zu können. Ein Frieden im Nahen Osten werde nur dann dauerhaft sein, wenn auch die Rechte der Palästinenser berücksichtigt würden, erklärte der Politiker.

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