Politik : Kampf gegen Terror: Neidische Blicke

Sabine Heimgärtner

Nach dem Kriegsgeschrei kommt in Frankreich nun der Katzenjammer. Seit feststeht, dass die große Konferenz zur Zukunft Afghanistans in Deutschland ausgerichtet wird, machen sich in der "Grande Nation" die alten Konkurrenzgefühle breit. Paris fühlt sich übergangen, nörgelt über die exponierte Rolle Berlins und ist zudem dem Gespött der französischen Presse ausgesetzt. "Wo bleibt Frankreich?", titelte die Zeitung "Le Parisien" am Tag vor dem deutsch-französischen Gipfeltreffen in Nantes. Und das Blatt "France Soir" schreibt: "Diejenigen, die sich von Anfang an geschickt aus der Affäre gezogen haben und sich Zeit ließen mit militärischen Versprechungen, das sind die schlauen Deutschen. Und sie sind es, die nun die afghanischen Parteien zur nationalen Versöhnungskonferenz empfangen. Gut gepokert, Herr Schröder!"

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Premierminister Lionel Jospin kündigte an, Frankreich werde bei der Bildung der zukünftigen afghanischen Regierung eine "bedeutende Rolle" spielen. Bereits bei einer Pressekonferenz des Elysée-Palastes zwei Tage vor dem Nantes-Gipfel war deutlich zu spüren, dass Frankreich mit seiner Nebenrolle auf dem internationalen Parkett nicht einverstanden ist. Dies dürfte dazu führen, dass bei dem 78. deutsch-französischen Gipfel "die Fetzen fliegen, zumindest hinter verschlossenen Türen", prophezeit ein deutscher politischer Beobachter. Offiziell heißt es: Neben dem Hauptthema Bioethik werde auf dem Gipfel in Nantes die Bonner Konferenz vorbereitet. Im Hintergrund aber brodelt es auf den Pariser Regierungsfluren.

Im eigenen Land können Frankreichs Politiker derzeit aber kaum auf Unterstützung hoffen. Jacques Chirac, der als erster europäischer Politiker nach dem 11. September nach Amerika reiste und US-Präsident Bush bedingungslose Unterstützung versprach, habe den Mund zu voll genommen, werfen ihm Medien, Militärs und Oppositionspolitiker vor. "France Soir" nannte Chiracs militärische Versprechungen einen "großen Bluff". Sauer sind Militärs und Medien vor allem darüber, dass wenig Konkretes passiert. Seit Tagen sitzen französische Truppen in Usbekistan fest, statt im Norden Afghanistans für eine humanitäre Luftbrücke zu sorgen, seit Wochen trainieren Piloten von acht Mirage-Kampfflugzeugen in Nancy für ihren Einsatz. "Aber bislang ist kein einziges Flugzeug im Krisengebiet", beschwert sich der zuständige Hauptmann Daniel Kerfriden.

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