Politik : Kampf gegen Terror: Saddams diplomatische Offensive

Birgit Cerha

Während die USA ihre Kriegstrommeln gegen den Irak immer heftiger schlagen, zeigt sich das Regime in Bagdad unerschüttert. "Amerikanischer Despotismus beunruhigt mehr und mehr Staaten der Welt", sagte Iraks Vizepräsident Taha Yassin Ramadan zuversichtlich - in Bagdad ist man überzeugt, dass Washington keine Verbündeten für einen massiven Militärschlag gegen den Irak finden werde. Der Irak werde "zum Friedhof für all jene, die versuchen, unsere Souveränität zu verletzen".

Doch zugleich hat man in Bagdad die Botschaft vernommen, dass Washingtoner Regierungskreise - im Gegensatz zum Krieg vor elf Jahren - offenbar einen umfassenden Plan zum Sturz des Regimes entworfen haben. Angesehene Strategen, wie der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger, warnen zudem eindringlich vor der Gefahr, den Krieg gegen den Terrorismus zu beenden, ohne Iraks Diktator Saddam Hussein zu stürzen.

Zum Thema Dokumentation: Kampf gegen Terror
Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan
Während man sich offiziell gelassen zeigt, berichten Geheimdienstkreise der Region über weit verbreitetes Unbehagen im Land selbst angesichts der Versuche des Regimes, die Bevölkerung gegen einen möglichen US-Schlag zu mobilisieren. Zugleich versucht Saddam, den Konflikt mit Washington als Teil einer westlichen Kampagne gegen den Islam zu präsentieren, um sich damit die Solidarität der islamischen Welt zu sichern.

Unter dem massiven Druck der USA, die UN-Waffeninspektoren nach dreijähriger Pause ins Land zu lassen, bot der Diktator nun den Vereinten Nationen einen Dialog "ohne Vorbedingungen" an. Verhandlungen zwischen UN-Generalsektretär Kofi Annan und dem Irak waren vor einem Jahr abgebrochen worden, nachdem Bagdad die Aufhebung der internationalen Sanktionen zur Bedingung für die Fortsetzung der Gespräche erhoben hatte. Diplomatische Kreise in Bagdad meinen nun eine neue Flexibilität Saddams zu erkennen. Diese könnte möglicherweise sogar die Bereitschaft einschließen, UN-Inspektoren ins Land zu lassen. Nach russischen Angaben will der Irak ihnen den Zutritt erlauben - allerdings nur im Gegenzug für eine Aussetzung der UN-Sanktionen gegen das Land.

Der Weltsicherheitsrat lehnt aber eine Aufhebung der Sanktionen ab, bis der Irak überzeugend beweist, dass er nicht mehr chemische, biologische und nukleare Waffen bauen will. Nach Angaben des US-Geheimdienstes CIA hat der Irak jedoch die vergangenen drei Jahre genutzt, um genau diese Kapazitäten wieder zu gewinnen.

Ermutigt durch klare Anzeichen, dass Europa die US-Strategie gegen Bagdad nicht unterstützen könne, entsandte Saddam vergangenen Sonntag einen Vertreter nach Madrid, um einen Dialog mit der EU zu beginnen. Zugleich verstärkt Bagdad die diplomatische Offensive auch in der Region und gewann dabei wichtige Unterstützung: Der Chef der Arabischen Liga, Amre Mussa, vermittelt nun bei Aussöhungsversuchen mit Kuwait. Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt will Bagdad wieder Vertreter der UN-Menschenrechtskommission ins Land lassen. Außerdem schlägt das Regime die Bildung einer Kommission mit Kuwait vor, die die Frage der Hunderten seit elf Jahren im Irak vermissten Kuwaitis klären soll. Kuwait wies bisher allerdings die Versöhnungsgesten zurück.

Auf mehr Resonanz stießen hingegen Saddams Versuche, sich mit dem alten Kriegsgegner Iran gegen den gemeinsamen Feind zu verbünden. Einem Besuch des irakischen Außenministers Naji Sabri in Teheran folgte die Freilassung von Kriegsgefangenen auf beiden Seiten und der Beschluss, nach zwei Jahrzehnten wieder eine direkte Flugverbindung zwischen den Hauptstädten aufzunehmen.

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