Politik : Kampf gegen Terror: Schröder warnt vor Angriff auf Irak

hmt/uls

Kanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer haben davor gewarnt, die internationale Allianz gegen den Terror durch ein Vorgehen gegen Länder außerhalb von Afghanistan zu gefährden. "Wir sollten sehr zurückhaltend sein, auf Äußerungen einzugehen, die jetzt schon neue Ziele suchen", sagte Schröder im Bundestag mit Blick auf einen möglichen Einsatz gegen Irak. Unterdessen forderte die Menschenrechtsorganisation "amnesty international" eine Untersuchung der Niederschlagung der Gefangenenrevolte im afghanischen Masar-i-Scharif. Dabei wurden mehrere hundert Taliban getötet.

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Außenminister Fischer sagte, die Bundesregierung und die Europäische Union stünden einer Ausdehnung des Anti-Terror-Krieges auf den Irak "mit äußerster Skepsis" gegenüber. Die Europäische Union habe die massiven Vorbehalte dem amerikanischen Partner gegenüber sehr deutlich gemacht, erklärte der Minister. Fischer plädierte dafür, Regionalkonflikte wie im Nahen Osten politisch zu lösen, wollte aber Gewalt als "Ultima Ratio" gegenüber diktatorischen Regimen oder kriminellen Herrschaftsinteressen nicht ausschließen.

Unterdessen treiben die USA den Terror-Drahtzieher Osama bin Laden immer mehr in die Enge. Dabei konzentrierten sie sich am Mittwoch auf ein Gebiet zwischen Kabul, Dschalalabad und dem Khyber-Pass im Südosten Afghanistans. Bei Dschalalabad liegt die Bergfestung Tora Bora, die die USA für einen möglichen Schlupfwinkel bin Ladens halten. Das teilte der US-General Tommy Franks mit. Die britische Zeitung "The Daily Telegraph" berichtete, bin Laden werde in der Festung von 400 seiner besten Kämpfer beschützt..

Bei der blutigen Gefangenenrevolte im nordafghanischen Masar-i-Scharif sind nach Berichten des britischen Rundfunksenders BBC bis zu 600 Menschen getötet worden. Ein US-Sprecher bedauerte in Islamabad die hohe Zahl der Opfer, meinte jedoch, es habe sich "nicht um ein Massaker gehandelt". Amnesty International in London forderte eine Untersuchung, ob die Nordallianz sowie amerikanische und britische Spezialeinheiten bei der Niederschlagung unverhältnismäßig hart vorgegangen seien.

US-Flugzeuge hatten am Dienstag ein Lager in der Nähe der südafghanischen Stadt Kandahar bombardiert, das nach Angaben von US-Verteidigungsminister Rumsfeld von Führern der Taliban und der Al Qaida benutzt wurde. Sprecher der Taliban wiesen Vermutungen zurück, dass dabei Taliban-Führer ums Leben gekommen sind.

Am zweiten Tag der Afghanistan-Konferenz bei Bonn dämpften die Vereinten Nationen (UN) unterdessen die Erwartungen an die Friedensgespräche. "Es wird nicht einfach", sagte UN-Sprecher Ahmad Fawzi am Mittwoch. Nur ein Sandkorn im Getriebe könne die ganze Maschine lahm legen. Nach der Eröffnung der Konferenz am Dienstag, in der sich alle Fraktionen zum Friedensprozess bekannten, hatte Fawzi noch von einem "sehr ermutigenden" Auftakt gesprochen. Fortschritte gab es am Mittwoch weder bei den Verhandlungen über die Zusammensetzung des 20- bis 25-köpfigen Übergangsrats noch bei der Frage, wer dem Gremium vorstehen soll.

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