Politik : Kampf gegen Terror: USA fordern Nato-Hilfe an

Die USA haben die Nato-Partner am Mittwoch um konkrete Hilfe bei der Ahndung der Terroranschläge vom 11. September gebeten. Washington habe eine Liste vorgelegt, in der unter anderem Kooperation bei der Nachrichtengewinnung, Schutz von US-Einrichtungen in den Bündnisstaaten und unbeschränkte Überflugrechte angefragt wurde, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder. Konkrete Bitten an einzelne Staaten habe es nicht gegeben. Zuvor hatte die Nato erstmals den Bündnisfall erklärt, nachdem die USA Beweise dafür präsentiert hatten, dass Osama bin Laden und dessen Organisation Al Qaida in die Anschläge verwickelt sind.

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Fotos: Die Ereignisse seit dem 11. September in Bildern US-Außenamtssprecher Boucher stellte am Abend klar: "Das heißt nicht, dass wir die anderen gebeten haben, für einen Einsatz Truppen zur Verfügung zu stellen, oder dass wir beschlossen haben, wenn es einen Militärschlag gibt, dass dies ein Nato-Einsatz sein muss." Einzelheiten nannte er nicht. Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping schloss einen baldigen Einsatz deutscher Soldaten "an Bord von Awacs-Flugzeugen oder auf Schiffen" nicht aus. Es könne schnellen Handlungsbedarf für Bundeswehrsoldaten in solchen integrierten Verwendungen geben. Dafür werde aber ein Bundestagsbeschluss benötigt", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Nato-Sprecher Brodeur sagte, die Mitgliedstaaten seien dabei, die Liste der US-Regierung zu prüfen. Sie enthalte die Bitte um mögliche Unterstützung bei einer militärischen Aktion sowie indirekte Hilfe im Kampf gegen den Terrorismus. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Den weiteren Angaben zufolge setzte die Regierung in Washington keine Frist, in der die ersuchte Hilfe zugesagt werden muss. Russlands Präsident Putin sagte der Nato eine enge Zusammenarbeit zu.

Zuvor hatten US-Vertreter den Nato-Partnern Banküberweisungen vorgelegt, die Zahlungen von Konten bin Ladens an 19 mutmaßliche Terroristen belegen. Dies berichtet die türkische Zeitung "Hürriyet". Auch Frankreich verfügt nach offiziellen Angaben über Informationen, dass die Organisation bin Ladens hinter den Anschlägen vom 11. September steckt. Die von den USA vorgelegten Beweise gingen in die gleiche Richtung und überschnitten sich mit denen Frankreichs, sagte die Sprecherin von Präsident Chirac, Catherine Colonna, in Paris. Sie ließen keine Zweifel über die Hintermänner.

Großbritanniens Premier Blair drohte dem Terrorismus an allen Fronten mit Krieg und dem Taliban-Regime in Afghanistan mit dem Sturz. Der britische Außenminister Jack Straw erklärte, es sei ein Irrtum, an die Möglichkeit von Verhandlungen mit den Hintermännern der Terroranschläge zu glauben. "Wie die Faschisten werden diese Leute von Hass, Gewalt und Zerstörungswut getrieben," sagte Straw auf dem Labour-Parteitag.

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