Politik : Kampf gegen Terror: Wenn möglich allein - gemeinsam nur, wenn nötig

Malte Lehming

In der Öffentlichkeit hat er seine Gefühle im Griff. Doch privat kann der US-Präsident ziemlich wütend werden. Derzeit schimpft George W. Bush gerne über die "windelweiche europäische Elite". Kein Zweifel: Die Frage, was mit Saddam geschehen soll, spaltet die transatlantische Gemeinschaft.

Aus amerikanischer Sicht ist die Sache klar: Das Irak-Problem existiert unabhängig vom 11. September. Eine Verwicklung in die Terror-Anschläge wird Saddam nicht vorgeworfen. Vielmehr soll der Diktator bekämpft werden, weil er geradezu "fanatisch", wie Überläufer erzählen, bestrebt ist, Massenvernichtungswaffen herzustellen. Das kann er seit mehr als drei Jahren ungehindert. Seit 1998 lässt er UN-Inspektoren nicht mehr ins Land. Dass er bereit ist, sogar gegen die eigene Bevölkerung Giftgas einzusetzen, hat er bewiesen. Aus alledem leitet Washington die Notwendigkeit für einen präventiven Feldzug gegen das irakische Regime ab.

Zum Thema Dokumentation: Kampf gegen Terror
Fotos: Osama Bin Laden, Krieg in Afghanistan
Die Kritik der Europäer daran wird unterschwellig als so belanglos wie anmaßend empfunden. Belanglos, weil Europa kaum gebraucht wird. Spätestens im Afghanistan-Krieg wurde deutlich, wie gewaltig die militärtechnologische Kluft zwischen Alter und Neuer Welt ist. Und anmaßend, weil die Europäer trotz ihrer militärischen Schwäche beanspruchen, als gleichberechtigte Partner ein Mitspracherecht zu haben.

Hinzu kommt, dass die USA eine Gunst der Stunde wittern. Die vorherrschende Stimmung heißt: wann, wenn nicht jetzt? Die irakische Armee ist seit 1991 sehr viel schwächer, die amerikanische sehr viel stärker geworden. Im ersten Irak-Krieg waren nur zehn Prozent aller Bomben und Raketen präzisionsgesteuert, in Afghanistan waren es schon mindestens sechzig Prozent. Eine Allianz hält Washington nicht für erforderlich. Die Devise, die noch im Afghanistan-Krieg galt - "gemeinsam, wenn möglich, alleine, wenn nötig" -, hat sich verändert. Sie lautet jetzt: Alleine, wenn möglich, gemeinsam, wenn nötig.

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