Politik : Kampf gegen Terror: Zunehmend nervös

Frank Jansen

Wachsender Druck auf Osama bin Laden in Afghanistan, Eskalation im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern - nun befürchten Sicherheitsexperten, dass islamistische Terroristen noch in diesem Jahr wieder die USA angreifen werden. In den letzten Tagen hätten die Nachrichtendienste vermehrt Anzeichen für einen neuen Anschlag registriert, sagte am Montag in Washington der Direktor des amerikanischen Amtes für Heimatschutz, Tom Ridge. Er rief die Amerikaner zu besonderer Wachsamkeit auf. Damit haben die US-Behörden zum dritten Mal nach den Anschlägen vom 11. September die Öffentlichkeit alarmiert. Ridge sprach von einem erhöhten Risiko vor allem während des noch bis Mitte Dezember dauernden islamischen Fastenmonats Ramadan.

Dass Einrichtungen in der Bundesrepublik betroffen sein könnten, halten die US-Behörden für kaum wahrscheinlich. "Dann hätten die Amerikaner verstärkte Schutzmaßnahmen gefordert", sagt ein deutscher Experte. Dennoch bereite die Lage in Afghanistan und im Nahen Osten auch der Bundesrepublik zunehmend Sorgen.

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Die Bombardierung und Einkreisung des Tora-Bora-Höhlensystems südlich der Stadt Dschalalabad, in dem Osama bin Laden und sein Stellvertreter, der Ägypter Aiman El Sawahiri, vermutet werden, rufe wachsende Nervorsität bei den Unterstützern des Terroristenchefs hervor. Dies sei vor allem in den Golfstaaten zu beobachten. Hier leben zahlreiche Sympathisanten bin Ladens, darunter vermögende Geschäftsleute. Gleichzeitig hätten die harten Maßnahmen der Israelis nach den jüngsten Attentaten Palästinenser und Islamisten "aufgewühlt". In ihrer Wahrnehmung verschmelzen beide Konflikte zu einem Szenario: "Was in Afghanistan und Palästina passiert, wird als Generalangriff der gottlosen Kreuzritter auf die muslimische Welt verstanden - so wie es bin Laden formuliert", sagt ein Fachmann. Unisono sprechen Experten von einer "gefährlichen Gemengelage". Für längere Zeit: Eine baldige Beruhigung in Nahost erwarten die Experten genauso wenig wie einen raschen Sturm auf die Tora-Bora-Festung. Stünde er bevor, hätten die Amerikaner mehr als nur 1100 Marines nach Afghanistan gebracht.

Für die innere Sicherheit der USA wäre nach Ansicht der Facheute ein langer Endkampf mit Osama bin Laden prekär. Auch wenn die Al Qaida-Spitze keine Anschläge mehr planen könne, für die eine ähnlich aufwändige Vorbereitung notwendig ist wie für die Luftattacken auf New York und Washington. "Wir müssen damit rechnen, dass irgendwo auf der Welt selbst agierende Zellen den dramatischen, über die Medien zu verfolgenden Endkampf in Afghanistan zum Anlass nehmen, Anschläge zu verüben - oder diese Leute verfolgen sowieso schon lang vorliegende Pläne", sagt der Experte. Und benennt das gravierendste Problem der Sicherheitsbehörden: "Es gibt trotz der weltweiten Fahndung immer noch ein riesiges Dunkelfeld". Auch in Deutschland bleibe unklar, wo sich Al Qaida-Zellen befinden.

Daran hat sich nach der Festnahme des Marokkaners Mounir El M. letzte Woche in Hamburg offenbar wenig geändert. Bislang heißt es nur, der Student habe nach den Anschlägen vom 11. September Spuren verwischen wollte. El M. hatte, wie berichtet, das Testament des Terrorpiloten Mohammed Atta unterschrieben und ein Girokonto von Marwan Al Shehhi verwaltet, der das zweite Flugzeug ins World Trade Center steuerte.

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