Kampf um Wirtschaftsmetropole entbrannt : Syrische Regierung lässt Aleppo bombardieren

28.07.2012 19:44 Uhrvon
  • Der Algerier Lakhdar Brahimi steht vor einer Aufgabe, an der zuvor schon Kofi Annan gescheitert war: Er soll im Auftrag der UNO zwischen den syrischen Aufständischen und dem Assad-Regime vermitteln. Foto: dpa
    Der Algerier Lakhdar Brahimi steht vor einer Aufgabe, an der zuvor schon Kofi Annan gescheitert war: Er soll im Auftrag der UNO zwischen den syrischen Aufständischen und dem... - Foto: dpa
  • Mitte August kapituliert die UN angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien. Der Sicherheitsrat kündigt das Ende der Beobachtermission an. Dennoch soll sich ein Sonderbeauftragter weiter um Vermittlung zwischen Rebellen und Armee bemühen. Foto: dpa
    Mitte August kapituliert die UN angesichts der anhaltenden Gewalt in Syrien. Der Sicherheitsrat kündigt das Ende der Beobachtermission an. Dennoch soll sich ein Sonderbeauftragter... - Foto: dpa
  • Im jordanischen Flüchtlingscamp al Zaatri kommen immer mehr Flüchtlinge aus Syrien an. Die Versorgung wird zunehmend schwierig. Foto: Reuters
    Im jordanischen Flüchtlingscamp al Zaatri kommen immer mehr Flüchtlinge aus Syrien an. Die Versorgung wird zunehmend schwierig. - Foto: Reuters

Die seit Tagen befürchtete Schlacht um Aleppo hat begonnen. Das Regime will die teilweise von den Rebellen kontrollierte Metropole mit schwerem Geschütz zurückerobern. Das Drama von Homs droht sich zu wiederholen.

Mit einem Großaufgebot an Panzern und Kampfhubschraubern hat die syrische Armee am Samstag ihre Offensive zur Rückeroberung der Stadt Aleppo begonnen. Regierungssoldaten umzingelten das von Aufständischen gehaltene Viertel Salaheddin. Schwere Artillerie ging auf die syrische Wirtschaftsmetropole nieder, während die Soldaten am Boden vorrückten. Zwei Tage lang hatte die syrische Armee Soldaten, Panzer und schwere Waffen rund um die zweitgrößte Stadt Syriens zusammengezogen, während sich die Aufständischen mit leichten Waffen und einigen Panzerabwehrraketen wappneten. In der Weltkulturerbe-Stadt droht nun ein Häuserkampf.

Kampfhubschrauber dröhnten am Samstag im Tiefflug über die Dächer.

MiG-Düsenjäger operierten am Himmel über der syrischen Wirtschaftsmetropole, in der 2,5 Millionen Menschen leben. Mit dem Morgengrauen begannen die am Stadtrand aufmarschierten Truppen des Regimes, die süd-westlichen Bezirke Salah al-Din, Hamdaniya und Fardous mit schwerer Artillerie zu beschießen. Panzer operierten in den Straßen, während sich die Soldaten nach Angaben von Menschenrechtlern mit den in den Wohnvierteln verschanzten Rebellen heftige Gefechte lieferten. Auf Videos sind brennende Wohnungen zusehen sowie hohe Rauchwolken von Granatentreffern.

"Sie belagern unser Viertel", erklärte ein Bewohner gegenüber dem Sender CNN. „Es gibt keinen Strom, das Essen ist knapp.” In Panik suchten die Menschen Schutz in den unteren Etagen ihrer Häuser oder flüchteten sich in öffentliche Parks. Tausende hatten sich bereits in den letzten Tagen im Umland in Sicherheit gebracht.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, die internationale Gemeinschaft könne angesichts der Vorgänge nicht weiterhin Beobachter und Zuschauer bleiben. Westliche Staaten hatten tags zuvor vor einem drohenden Massaker gewarnt, während die syrische Staatszeitung „Al Watan“ für Aleppo „die Mutter aller Schlachten“ ausrief. Man werde alle Terroristen ausmerzen und dann werde Syrien wieder auferstehen, propagierte das Regimeblatt. Die russische Regierung sprach am Samstag von einer „heraufziehenden Tragödie“, zeigte aber als langjähriger Verbündeter Verständnis für das Vorgehen von Bashar al-Assad. Es sei unrealistisch zu glauben, eine Regierung könne akzeptieren, „wenn bewaffnete oppositionelle Gruppen eine Stadt wie Aleppo besetzen“, erklärte Moskaus Außenminister Sergei Lavrov. In Syrien gäbe es Gewaltexzesse von allen Seiten, sagte er und warf dem Westen vor, die Kämpfer der Opposition zu unterstützen. „Der Preis dafür ist noch mehr Blut.“ Der Iran bekräftigte durch seinen Energieminister Majid Namjou, Teheran werde Damaskus „in dieser schwierigen Situation nicht alleine lassen“.

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