Politik : Kampf ums Überleben in Las Vegas

Die Präsidentschaftsbewerber der Republikaner fallen übereinander her, statt Obama anzugreifen

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Las Vegas gilt in den USA als Sündenpfuhl – wegen des Glücksspiels und weil dort die Prostitution toleriert wird. Die Stadt wirbt augenzwinkernd mit dem Spruch, was in Las Vegas geschehe, bleibe (als Geheimnis) in Las Vegas. In der Nacht zu Mittwoch warben dort sieben republikanische Präsidentschaftsbewerber im Kasino „The Venetian“ um Zustimmung. Ihre verbalen Sünden wurden landesweit übertragen.

Es war die fünfte Fernsehdebatte innerhalb von sechs Wochen. Erstmals stand nicht Präsident Obama im Mittelpunkt der Angriffe. Die Republikaner attackierten sich gegenseitig mit enormer Schärfe. Für mehrere der Teilnehmer geht es ums politische Überleben. Einen Augenblick lang schien es so, als würden Mitt Romney, der ungeliebte Favorit, und sein gefährlichster Rivale, Texas-Gouverneur Rick Perry, handgreiflich werden. Sie standen hinter Stehpulten in der Mitte der Bühne nebeneinander. Sekundenlang maßen sie sich mit empörten Blicken in angespannter Körperhaltung, als würden sie gleich aufeinander losgehen – es war schwer zu sagen, ob der Zorn echt war oder einstudiert und gut gespielt.

Ihr Streit drehte sich um den richtigen Umgang mit illegalen Einwanderern. In Texas verfolgt Perry einen pragmatischen Kurs, wozu zum Beispiel verbilligte Studiengebühren für die Kinder illegaler Migranten gehören, um sie zu integrieren. Perrys Gegner verdammen diese „Weichheit“; das wirke wie ein „Magnet“, der noch mehr Illegale anziehe. Romney sei der Letzte, vom dem er sich belehren lasse, polterte Perry. Romney habe „Illegale angestellt“ für die Gartenpflege. Es sei „der Gipfel der Heuchelei“, wenn er jetzt Härte gegen Illegale fordere.

Romney versuchte, den Angriff mit lautem Lachen zu parieren. Noch nie habe er wissentlich einen Illegalen beschäftigt. Der Vorwurf ist nicht neu. Wohlhabende Amerikaner beauftragen Gartendienste mit der Pflege von Rasen und Beeten. Diese Arbeiten werden überwiegend von Latinos ausgeführt, die ohne gültige Papiere in Amerika leben. Der „Boston Globe“ hatte im Dezember 2006 belegt, dass auch die Firma, die Romneys Garten pflegt, Illegale beschäftigt. Romney kündigte erst ein Jahr später den Vertrag, als die Zeitung nachwies, dass der Betrieb weiter mit Illegalen arbeitet.

In der Debatte entbrannte ein Wortgefecht, in dem Perry Romneys Erklärungsversuche immer wieder unterbrach. Romney legte ihm energisch die Hand auf die Schulter, woraufhin Perrys Zeigefinger beim Gestikulieren fast in Romneys Gesicht schoss und sie sich mit Blicken durchbohrten. „Gouverneur, Sie haben ein Problem damit, andere ausreden zu lassen“, fertigte Romney Perry ab. Die Szene wird seither von den TV- Sendern immer wieder gezeigt. Die Kommentatoren sind geteilter Meinung, ob Perry sich mit der neuen Aggressivität mehr nutzt oder schadet.

Scharf attackiert wurde auch Herman Cain, der jüngste Liebling der rechten Basis. Er hat einen Steuervereinfachungsplan mit der griffigen Formel „9-9-9“ vorgelegt. Je neun Prozent auf Einkommen und Unternehmensgewinne plus neun Prozent nationale Mehrwertsteuer. Fachleute haben nun ausgerechnet, dass dies nur die Reichen besserstellt, die unteren drei Viertel aber mehr zahlen müssten. Die übrigen vier Bewerber – Michele Bachmann, Newt Gingrich, Ron Paul, Rick Santorum – hatten keine herausragenden Szenen in der Debatte.

In elf Wochen beginnen in Iowa die Vorwahlen, in denen die Bürger über den Wunschkandidaten abstimmen; Nevada, wo Las Vegas liegt, hat als dritter Staat im Vorwahlkalender großen Einfluss. Die Basis ist hin- und hergerissen, wen sie gegen Obama ins Rennen schicken soll. Romney hat die besten Aussichten, Obama zu schlagen, weil er Wähler der Mitte anziehen kann. Die Basis wünscht sich jedoch einen ausgewiesenen Konservativen. Je weiter rechts der Gegenkandidat steht, desto besser sind Obamas Chancen.

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