Politik : Kampfjets für Kaschmir

Ashwin Raman

Indien und Pakistan mobilisieren nicht nur weiterhin Truppen an den Grenzgebieten, sie rüsten auch kräftig auf. In den letzten Tagen sind fünf Frachter voller Rüstungsmaterial aus China in der pakistanischen Hafenstadt Karatschi eingelaufen. Zusätzlich wurden Ersatzteile aus China mit mehreren Lastwagen über den Korakram-Highway nach Islamabad gebracht. Kamran Khan, Verteidigungsexperte der pakistanischen Regierung, sagte dem Tagesspiegel: "Zum großen Teil sind das neue, auseinandermontierte Kampfflugzeuge vom Typ Super-7 und F-7. Moderne Raketenabwehr- und Kommunikationssysteme sind auch mitgeliefert worden." Diese Eillieferungen sollen das pakistanische Luftwaffenpotenzial mit dem Indiens gleichstellen. Zur Zeit besitzt Pakistan 340 Kampfflugzeuge und Indien 730. Die Gesamtzahl der neugelieferten Flugzeuge wird aus Sicherheitsgründen nicht preisgegeben. Ein enger Berater Musharrafs sagte in Islamabad: "Während seines Besuches in China im Dezember hat unser Präsident zusätzliche Lieferungen der modernen, ultrawendigen GT-60 Panzer zugesichert bekommen." Der Beamte beschrieb Pakistans Beziehung zu China als "tiefer als ein Ozean, höher als der höchste Berg".

Im Gegenzug nahm Indien Lieferungen moderner Rüstungsgüter aus Israel entgegen. Dabei handelte es sich vor allem um die sehr begehrten UAV, elektronische Frühwarnsensorsysteme, die die kleinste Fliege aufspüren können. Nur Israel und die USA sind im Besitz dieser Technologie. Da die USA sich weigerten, dieses System an Indien zu verkaufen, mussten sie sich an Israel wenden. Auch die veralteten 130-Millimeter-Kanonen wurden durch neue israelische des Kalibers 155 Millimeter ersetzt. Langfristig sollen diese Geschütze in Indien hergestellt werden. Als Gegenleistung soll Indien Israel mit Informationstechnologie und Computerexperten aushelfen. In einem bilateralen Abkommen haben Indien und Israel am Mittwoch Verträge über zwei Milliarden Dollar unterschrieben.

Indiens Verteidigungsminister kritisierte unterdessen die Haltung der USA im Kaschmir-Konflikt. Indien habe sich von der weltweiten Allianz gegen den Terrorismus mehr erhofft, sagte George Fernandes. Mit der Haltung der USA sei man "nicht glücklich". Aus Kreisen der US-Regierung war verlautet, die USA erwarteten von Indien eine Gegenleistung für die Bemühungen Pakistans, dem Terrorismus in seinem Land entgegenzutreten. Indien hatte erklärt, das Land sehe trotz entsprechender Ankündigungen Pakistans keine Bewegung in dessen Kampf gegen den grenzüberschreitenden Terrorismus. Es versieht seine Forderungen an Pakistan aber nicht mit einem Ultimatum. "Es ist kein zeitliches Limit festgelegt worden", sagte Fernandes. "Wenn das Problem nicht freundschaftlich gelöst wird, werden wir gezwungen sein, zu starken Maßnahmen zu greifen", fügte er allerdings hinzu.

Nach Einschätzung von US-Politikern sind die USA und Indien dennoch auf dem Weg zu engeren Beziehungen. Indien sei jetzt ein starker Verbündeter, sagte die Kongressabgeordnete Shelley Berkley bei einem Indienbesuch. Die CIA legte dem US-Kongress einen Bericht vor, der besagt, dass das indische Nuklearprogramm auf Hochtouren läuft. Der Bericht über "Weapons of Mass Destruction" und die Beschaffung neuer konventioneller Waffensysteme ergänzte, dass Indien eine fortgeschrittene Nuklearraketentechnologie von Russland erworben hat.

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