Politik : Kampfpilot nahm Ziviljet ins Visier

Rainer W. During

Berlin - Der Kampfpilot der Bundeswehr, der sich, wie berichtet, vor knapp zwei Wochen über Mecklenburg-Vorpommern einer Passagiermaschine genähert hat, trainierte tatsächlich unerlaubt den Beginn eines Abfangeinsatzes. Das geht nach Informationen des Tagesspiegels aus einem internen Untersuchungsbericht der Luftwaffe hervor.

Der Eurofighter hatte sich am 20. Oktober der Verkehrsmaschine der Cirrus Airlines mit 14 Passagieren an Bord bis auf wenige Flugsekunden genähert. Das war dem Bericht zufolge ein eindeutiger Verstoß gegen die militärischen Flugregeln. Unklar war bisher gewesen, ob er die Passagiermaschine in einer militärischen Abfangübung ins Visier nahm oder nicht. Die militärische Untersuchung ergab jetzt: Der Pilot bat seine Leitstelle um Erlaubnis, die Maschine anfliegen zu dürfen, um die „Identifizierung eines unbekannten Luftfahrzeugs“ zu simulieren. Dabei handelt es sich um den Beginn einer Abfangübung. Die Bestimmungen erlauben solche Übungen nur zwischen Militärflugzeugen. Ungeachtet der Aufforderung, auf die Erlaubnis zu warten, nahm der Pilot eigenmächtig Kurs auf die Zivilmaschine, um sie zu identifizieren. Die Erlaubnis blieb aus. Er drehte erst ab, als er von der Flugleitung dazu aufgefordert wurde. Da hatte der Eurofighter den vorgeschriebenen Mindestabstand bereits deutlich unterschritten.

Die Luftwaffe stuft den Vorfall nicht als „gefährliche Begegnung“ ein. Zur Begründung heißt es, dass der Pilot ständig Sichtkontakt zu der anderen Maschine gehabt habe. Außerdem habe der Pilot kein Waffensystem auf die Passagiermaschine gerichtet. Die einzige Konsequenz für den Piloten soll eine „Belehrung“ durch den Divisionskommandeur in Berlin sein, hieß es gestern. Luftfahrtexperten äußerten sich gegenüber dem Tagesspiegel verwundert über diese geringste Form der Disziplinierung des Kampfjetpiloten. Aus der Sicht von Experten handelte es sich bei dem Vorgang um eine eindeutige Gefährdung des Luftverkehrs.

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