Politik : Kampfschwimmen für den Frieden

Frank Bachner

KSK - eigentlich war das ja lange Zeit nur eine dieser komischen Abkürzungen. KSK? Kommunale Sozialkasse? Kölner Sauna-Klüngel? Ehrlich gesagt, war es auch ziemlich egal - bis zum 11. September.

KSK ist die Abkürzung für Kommando Spezialkräfte, eine Eliteeinheit der Bundeswehr. Rund 100 dieser Elitesoldaten jagen gerade in Afghanistan Al-Qaida-Terroristen. Die Bundeswehr im Anti-Terror-Einsatz, das ist nun ein gängiges Bild. Zu diesem Engagement gehört auch der Einsatz am Horn von Afrika, vor Somalia. Deutsche Kriegsschiffe sollen dort, bei der Aktion "Enduring Freedom", Al Qaida-Terroristen Nachschub- und Fluchtwege abschneiden. An Bord eines Teil dieser Schiffe sind Elite-Soldaten, die im Notfall ein Schiff entern können.

Das alles ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass der militärische Kern des Anti-Terror-Einsatzes weder das Kommando Spezialkräfte noch die Marine-Infanteristen auf den Fregatten sind. Der Kern ist eine kleine Einheit, die in Eckernförde an der Ostsee stationiert ist und nicht einmal 50 Soldaten umfasst: die Kampfschwimmerkompanie. Die Fähigkeiten der Elitesoldaten des KSK wurden von Kampfschwimmern verfeinert, die Seesoldaten wurden von Kampfschwimmern geformt. Und Kampfschwimmer selber, was kein Militär zugeben wird, waren am Einsatz vor Somalia beteiligt. Sie agierten im Hintergrund, aber sie hatten oder haben als Berater und notfalls als Einsatzkräfte die wichtigste Aufgabe im Anti-Terror-Kampf. Wenn Beobachter erzählen, KSK-Soldaten seinen die härtesten Soldaten der Bundeswehr, grinsen Kampfschwimmer nur müde.

Bilder werden korrigiert

Wilhelm Probst war 17 Jahre lang Kampfschwimmer. Und er hat nun ein hoch interessantes und aufschlussreiches Buch über diese geheimnisumwitterte Elitekompanie veröffentlicht. Probst, langjähriger Ausbilder von Kampfschwimmern, hatte selber noch KSK-Angehörige geschult, er hatte auch Soldaten des so genannten Seebataillons ausgebildet, dessen Mitglieder nun vor Dschibuti im Einsatz sind. Probst korrigiert vor allem Bilder. Rambos mit Messern zwischen den Zähnen, Schwarzenegger-Typen, die wie Roboter töten, solche Bilder werden mit Kampfschwimmern verbunden. Probst zerstört solche Legenden. Wahr an den ganzen Gruselstory ist nur: Kampfschwimmer sind perfekt ausgebildete Soldaten.

Die Ausbildung ist gnadenlos, aber nicht unmenschlich. Und sie hilft dem Überleben bei außergewöhnlich riskanten Aktionen. Aber Killer-Typen oder Rambos haben bei den Kampfschwimmern keine Chance. Probst schildert diesen Drill bis ins letzte Detail. Das kann schockierend sein - aber auch gefährlich, weil sie zu einer anderen Mythenbildung führen kann, zur Selbstverneigung vor der eigenen Härte. Probst aber vermeidet genau diese Selbstanbetung. Er schildert farbig, detailreich, aber distanziert. So wird klar: Diese Soldaten gehören zu den wichtigsten Protagonisten im Anti-Terror-Kampf.

Probst hatte an geheimen Vorbereitungen und Sicherheitsaufträgen zum Golfkrieg teilgenommen. Damals ging es darum, deutsche Schiffe zu sichern. Probsts Schilderungen von diesen Einsätzen verschafft eine Vorstellung von der Arbeit der Kampfschwimmer und anderen Soldaten, die im Moment vor Dschibuti liegen. Es gibt nur wenige Bücher von militärischen Insidern, die nicht in peinliche Selbstdarstellung oder militärische Überhöhung abdriften. Probsts Buch ( www.sea-survival.de ) ist eines davon.

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