Kampfspiel : Verbot von Paintball wird Politik peinlich

Hin, her, vor und wieder zurück: Gerade einmal zwei Tage nach der Einigung auf ein neues Waffenrecht hat sich die große Koalition jetzt dazu entschieden, das Kampfspiel „Paintball“ vorerst doch nicht zu verbieten.

Julia Wäschenbach
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Bunter Funsport - oder martialisches Todesspiel? Beim Paintball schießen die Spieler aus sogenannten Markierern mit winzigen...

Berlin - Der innenpolitische Sprecher der SPD- Fraktion, Dieter Wiefelspütz, bestätigte am Donnerstag gegenüber dem Tagesspiegel die Änderung der Pläne. Damit haben die Paintballer, deren Sport seit Jahren in der Kritik steht, eine kleine Schlacht im Kampf der Regierung um ein schärferes Waffengesetz für sich entschieden.

Dieter Wiefelspütz räumte ein, die Regierung sei mit der Paintball-Debatte über ihr Ziel hinausgeschossen und „in einer Sackgasse gelandet“. Sie habe sich ein Stück weit verrannt und den Fehler deshalb „rasch korrigiert“. Trotzdem rückte Wiefelspütz nicht von seiner Meinung ab, das Spiel verletze die Menschenwürde, weil dabei „das Töten simuliert“ werde. Aber es wäre falsch, aus seiner „persönlichen Überzeugung ein Gesetz zu machen“. Er rechnet nicht damit, im Bundestag eine Mehrheit für ein Verbot des Spiels zu bekommen. Die Opposition begrüßte das Ende der „völlig absurden Debatte über Paintball“. Mit dem Ablenkmanöver habe sich die große Koalition um die wichtigen Punkte des Waffenrechts gedrückt, sagte Grünen-Politikerin Silke Stokar. Deshalb sei es richtig, die Entscheidung zurückzunehmen.

An einen endgültigen Frieden glaubt Rechtsanwalt Dirk Baumann, der die Paintball-Sportler vertritt, nicht. Um ihre Interessen künftig besser durchsetzen zu können, haben Spieler, Händler und Liga-Verantwortliche mit seiner Hilfe die Deutsche Paintballpartei (DPP) gegründet, die der Bundeswahlleiter noch genehmigen muss. Die Partei sei dazu da, Politiker über den Sport aufzuklären, sagt Baumann, der selbst Paintball spielt. „Wir müssen es uns auch selbst zurechnen, dass uns das Verbot so überrascht hat.“ Jahrelang hätte sich die Szene auf der wachsenden Beliebtheit ausgeruht und die Fühler nicht gen Politik ausgestreckt. Stattdessen sei man davon ausgegangen, „dass wohl alles in Ordnung sein muss, wenn man uns in Ruhe lässt“. Jetzt, glaubt Baumann, habe die öffentliche Debatte in puncto Aufklärung einiges bewirkt. Julia Wäschenbach

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