Kandidaten : Abdullah Abdullah - der ewige Zweite

Abdullah Abdullah (49) hat als Symbol Wasserkrüge gewählt.

Eigentlich wollte Abdullah auf dem Wahlzettel mit einer Waage als Logo für sich werben. Präsident Karsai jedoch hatte dieses Symbol zuerst eingereicht – und Abdullah blieb nichts anderes übrig, als sich auf einer Vorschlagsliste der Wahlkommission ein Ersatzsymbol auszusuchen. Es war nicht seine erste Niederlage gegen den Amtsinhaber. Ende 2001 hatte Abdullah die sogenannte Nordallianz bei der Friedenskonferenz in Bonn vertreten, zurück kam er aber nicht als Präsident, sondern als Außenminister. Die Konkurrenz zwischen dem Karsai-Lager und der Nordallianz spitzte sich indes immer weiter zu, so dass Karsai seinen Außenminister 2006 entließ. Seither sitzt Abdullah im Parlament.

Anders als seine beiden schärfsten Konkurrenten bei der Präsidentschaftswahl hat der gelernte Augenarzt nie im Westen gelebt. Wie viele andere Afghanen hat Abdullah offiziell auch keinen Nachnamen. Da dies bei ausländischen Gesprächspartnern Verwirrung stiftete, verdoppelte er seinen Namen einfach. Während des Bürgerkriegs behandelte Abdullah zunächst afghanische Flüchtlinge in Pakistan. Dann schloss er sich der Nordallianz unter dem afghanischen Widerstandshelden Ahmad Schah Massud an. Massud kämpfte mit seiner vor allem aus Tadschiken bestehenden Truppe gegen die sowjetischen Besatzer und später gegen die Taliban. Abdullah hat ebenfalls tadschikische, aber auch paschtunische Wurzeln. Das macht ihn zu einem gefährlichen Gegner für Karsai, denn die ethnische Zugehörigkeit der Kandidaten gibt für die meisten Wähler den Ausschlag.

Im Panjshir-Tal, dem Zentrum der Nordallianz, wurde der Mann mit dem gepflegten Bart zu einem engen Weggefährten Massuds, und als dieser kurz vor den Anschlägen in New York ermordet wurde, galt Abdullah als einer der prominentesten Erben des Volkshelden. Bei der Wahl im August tritt er nun für die Nationale Front an, einem Sammelbecken für anti-sowjetische Widerstandskämpfer ebenso wie für Ex-Kommunisten. Führer der Partei ist Ex-Präsident Burhanuddin Rabbani, ein berüchtigter Kriegsherr. Abdullah selbst gilt als gemäßigt und ist einer der wenigen Vertreter der Front, die vom Ausland akzeptiert würden. uls

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