Kandidaten : Hamid Karsai - das Chamäleon

Die Waage mit Friedenstaube ist das Symbol von Hamid Karsai (51).

Er war nie, was der Westen in ihm sah: Hamid Karsai taugt nicht als überparteiliche Vaterfigur, er blieb vielmehr stets Repräsentant der paschtunischen Bevölkerungsmehrheit und seines Clans. Auf Wahlplakaten ist er in Paschtunentracht, inklusive Turban und wildem Bart, zu sehen. Immer wieder gab es Hinweise, dass Karsai seinem offenbar ins Drogengeschäft verwickelten Bruder Wali – der zugleich Chef des Provinzrats der Provinz Kandahar ist – freie Hand lässt. Wie weit der Präsident selbst verstrickt ist, wird wohl nie geklärt werden.

Sein Machtbewusstsein offenbarte Karsai zuletzt im Wahlkampf: Ohne zu zögern schmiedete er Bündnisse mit lokalen Kriegsherren, einen der schlimmsten Kriegsverbrecher, Mohammed Qasim Fahim, nominierte er sogar für das Amt des Vizepräsidenten. Doch auch das ist nicht neu. Schon im Bürgerkrieg wechselte er mehrmals die Fronten, wenn er sich davon eigene Vorteile versprach. Zeitweise unterhielt Karsai sogar Kontakt zu den Taliban und fädelte für eine US-Ölfirma einen Deal mit den Gotteskriegern ein. Nach den Terroranschlägen von Al Qaida in New York schlug er sich schließlich auf die Seite der USA – und wurde so zum Mann Washingtons in Kabul. Inzwischen hat sein Ansehen in der US-Hauptstadt allerdings ebenso wie in Europa stark gelitten. Karsais Partner im Westen kritisieren längst offen, dass seine Regierung nicht entschlossen gegen Korruption vorgeht und es auch acht Jahre nach dem Sturz der Taliban nicht geschafft hat, das Land zu einen. Karsai beeindruckt das wenig: Seine Erfahrung im Amt mache ihn zu einem guten Kandidaten, sagte der Präsident, als er bekannt gab, noch einmal anzutreten. „Wir werden auch diesmal wieder Fehler machen, aber unser Ziel ist, der Nation zu dienen.“

Dank seiner Wahlabsprachen mit einflussreichen Lokalfürsten dürfte Karsai der Sieg am 20. August kaum zu nehmen sein. Den „Empfehlungen“ ihrer Führer werden sich wohl nur wenige Afghanen widersetzen. Auch der Afghanistan-Beauftragte des Auswärtigen Amtes, Bernd Mützelburg, sagte bereits lange vor der Wahl voraus: „Wir werden wohl weiter mit ihm leben müssen.“ uls

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben