Kandidatendebakel : Wiesbaden-SPD leckt ihre Wunden

Nach der versäumten Anmeldung ihres Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in Wiesbaden bleibt für die SPD nur noch die Hoffnung auf einen Rückzug aller anderen Kandidaten. Für die CDU ist der Vorschlag allerdings "Unfug".

Wiesbaden - Nach ihrer bundesweit mit Hohn und Spott bedachten Kandidatenpanne klammert sich Wiesbadens SPD für die Oberbürgermeisterwahl am 11. März an den letzten Strohhalm: Wenn alle fünf korrekt angemeldeten Kandidaten freiwillig zurückzögen, sei ein neuer Anlauf mit dem SPD-Kandidaten Ernst-Ewald Roth möglich, sagte der Stadtverordnete Veit Wilhelmy. Die SPD hatte zwar in der ganzen Stadt Plakate aufgestellt und unter anderem Parteichef Kurt Beck zu einem Wahlkampfauftritt nach Wiesbaden geholt - doch die Anmeldung ihres parteilosen Bewerbers schlicht vergessen. Daraufhin war am Freitag der gesamte Vorstand zurückgetreten.

Ein neuer Wahltermin würde aber einen freiwilligen Verzicht des CDU-Bewerbers Helmut Müller voraussetzen - dem ohne SPD-Gegenkandidat der Sieg sicher scheint. "Unfug", nannte der Wiesbadener CDU-Chef Horst Klee deshalb die SPD-Forderung. Schließlich habe die SPD bei ähnlichen Fehlern der Christdemokraten 2001 in Usingen im Taunus und der Oberbürgermeisterwahl 2003 in Hanau auch nicht aus Fairness verzichtet.

SPD spricht von "politischem Makel" für CDU-Kandidat

So recht glaubte der SPD-Mann aber offenbar auch selbst nicht an ein solches Entgegenkommen des politischen Gegners, obwohl er es mit einem Appell an "alle politisch Anständigen" und seiner Warnung vor dem "politischen Makel einer Amtszeit Müller" nicht an großen Worten fehlen ließ: Direkte Gespräche hinter den Kulissen mit dem CDU-Bewerber hat er bislang nicht geführt. Nur so wäre eine so heikle Frage aber möglicherweise lösbar.

Stattdessen lud Wilhelmy zur Pressekonferenz und startete dabei auch noch scharfe Attacken auf den Wahlleiter Peter Grella, der der CDU angehört. Grella habe den Fehler der SPD früh bemerkt, der Partei aber keinen Hinweis gegeben und seinen Leuten im Wahlamt einen Maulkorb verhängt. Grellas Hinweis auf seine politische Neutralität als Wahlleiter sei "vollkommen abwegig"; Grella müsse über seinen Rücktritt nachdenken, sagte Wilhelmy.

"Schlechte Verlierer"

Solche Forderungen bereiten natürlich nicht den Boden für eine einvernehmliche Lösung des Problems zwischen CDU und SPD. "Schlechte Verlierer", "die lecken nur ihre Wunden", kommentierten Rathausmitarbeiter das Vorgehen der Sozialdemokraten. Die am Freitag zurückgetretene Parteispitze unter Führung des Landtagsabgeordneten Marco Pighetti wollte sich zu den inhaltlichen Fragen am liebsten gar nicht mehr äußern. "So etwas macht man hoffentlich nur einmal im Leben mit", sagte Pighetti, dem der Verlust seines Landtagsmandates droht.

In der Partei wurden am Wochenende Forderungen laut, dem gescheiterten OB-Kandidaten Roth Pighettis sicheren Listenplatz für den Landtag zu geben. Schließlich hatte der ehemalige höchste katholische Geistliche Wiesbadens für seine Kandidatur als Oberbürgermeister eine sichere Karriere in der Kirche aufgegeben. Am Montagabend wollte die SPD aber erst einmal wieder Ordnung in die eigenen Reihen bringen. Geplant war die Wahl eines provisorischen Vorstandes für die Monate bis zu einer Jahreshauptversammlung. (tso/dpa)

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