Kandidatensuche bei der Linkspartei : „Wir haben die besten Politiker Deutschlands“

Der Linken-Abgeordnete Jan van Aken über Auswege aus der Krise seiner Partei.

von
Jan van Aken
Jan van AkenFoto: pa/dpa

Vor dem Parteitag in Göttingen gibt es ein heftiges Gerangel von überwiegend jungen Kandidaten um den Vorsitz. War die Linkspartei zu lang in der Hand älterer Herren?
Nein. Der Erfolg einer Partei misst sich nicht an Jung oder Alt oder Mann oder Frau.

Sie versuchen, mit einem Team mit jüngeren Leuten einen neuen Aufbruch zu organisieren. Warum?

Die Vereinigung der verschiedenen Lager und Biographien hat bei uns in den vergangenen Jahren nicht geklappt. Wir haben das nach unseren großen Erfolgen 2005 und 2009 vernachlässigt, haben uns nicht ernsthaft genug mit diesem Problem beschäftigt. Jetzt muss es gelingen, die Vielfalt der Linken produktiv zu machen. Wir brauchen Leute, die trotz unterschiedlicher Positionen mit Spaß gemeinsam etwas erreichen wollen.

Soll der Parteitag in Göttingen ein politisches Signal für eine weibliche Doppelspitze setzen?

Unbedingt. Katharina Schwabedissen aus Nordrhein-Westfalen und Katja Kipping aus Sachsen sollen die Vorsitzenden werden, auch die anderen in unserem Sechserteam werden sich um herausgehobene Positionen bewerben. Ich selbst kann mir gut vorstellen, stellvertretender Vorsitzender zu werden.

Die Linke - Von der Gründung bis zur Zerreißprobe
Das Gezerre um die Parteiführung der Linken hat ein Ende. Auf ihrem Parteitag wählten die Delegierten ein neues Führungsduo: Bernd Riexinger und Katja Kipping. Ob damit nun wieder Ruhe einkehrt?Weitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: Reuters
02.06.2012 23:14Das Gezerre um die Parteiführung der Linken hat ein Ende. Auf ihrem Parteitag wählten die Delegierten ein neues Führungsduo: Bernd...

Ist dieses Team nur im Paket zu haben?

Nein, ausdrücklich nicht. Wenn sich auf dem Parteitag ergibt, dass wir große Teile der ehemals verfeindeten Lager einbinden können, ziehe ich gern zurück. Unser Angebot ist ein offenes Angebot.

Für die beiden Vorsitzenden-Posten gibt es inzwischen elf Bewerber. Birgt das nicht die Gefahr von Zufallsentscheidungen?

Das Witzige ist, dass ganz Deutschland nach mehr Demokratie ruft. Doch wenn es wirklich mal mehrere Kandidaten für einen Posten gibt, ist plötzlich von Kampfabstimmungen die Rede. Ich finde die breite Auswahl richtig gut. Die Delegierten können sich jetzt überlegen, ob sie zwei brillante Spitzen, die für Extreme stehen, haben wollen – oder eben eine kooperative Führung.

Mit Ihrer Bemerkung zu den brillanten Spitzen spielen Sie auf Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch an. Worin läge der Reiz dieser Doppelspitze?

Mit Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi sind die drei besten deutschen Politiker überhaupt in unserer Partei. Ich persönlich fände Sahra Wagenknecht in der Spitze ganz toll. Aber wir wollen die Linke in der Breite erhalten. Und wenn ein größerer Teil sich unter einer Vorsitzenden Wagenknecht ausgegrenzt fühlen würde – und das scheint subjektiv so zu sein –, kämen wir damit nicht nach vorne.

Wie kritisch ist die Lage der Linkspartei?

Im Moment extrem kritisch. Doch wenn es in Göttingen gelingt, große Teile einzubinden, haben wir sehr große Chancen, wieder stark zu werden und an unsere früheren Erfolge anzuknüpfen. Von Göttingen hängt sehr viel ab.

Die Vorsitzenden-Kandidatin Schwabedissen schließt eine Doppelspitze mit Dietmar Bartsch aus. Finden Sie das okay?

Jeder hat das Recht zu sagen, mit welchem Team er gut arbeiten kann. Das ist völlig normal, menschlich und ehrlich. Zusammenarbeit benötigt Vertrauen.

Heißt das, dass Bartsch nach einer Wahl von Schwabedissen zur Vorsitzenden in der engeren Führung nichts verloren hat?

Wir reden in diesen Tagen mit allen, mit Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine, Dietmar Bartsch und anderen. Wenn wir eine kooperative Führung wollen, dann heißt das für uns selbstverständlich, dass es für alle auch einen Platz geben muss. Welcher Platz für wen das ist, da will ich dem Parteitag nicht vorgreifen.

Gerade weil der linke Flügel im Moment in der Defensive ist: Müsste Ihnen eine Vorsitzende Wagenknecht nicht gefallen? Sollte Sie antreten?

Fiese Frage. Ich werbe für das Team Schwabedissen-Kipping. Und wäre froh, wenn Sahra Wagenknecht nicht antreten würde. Sie wäre zwar eine tolle Vorsitzende, aber ein Teil der Partei würde sie als polarisierend empfinden.

Zu unübersichtlich ist Ihnen die Lage nicht?

Ehrlich gesagt: nein. Ich komme ja eher aus so einer antiautoritären Linken im Westen. Ich kann gar nichts damit anfangen, wenn alles vorher im Hinterzimmer klar gezogen wird. A kriegt B und dafür C nicht, das ist nicht mein Ding. Die Lage ist sehr offen – und spannend.

Jan van Aken (51), seit 2006 Mitglied der Linkspartei, ist Bundestagsabgeordneter und gehört dem Auswärtigen Ausschuss an. Er war Aktivist bei Greenpeace.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

Autor

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben