Kandidatur für grüne Spitzenkandidatur : Robert Habeck geht aufs Ganze

Der Kieler Umweltminister will Spitzenkandidat der Grünen bei der Bundestagswahl 2017 werden - mit Rückendeckung aus seinem Heimatverband.

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Der schleswig-holsteinische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck beim Parteitag in Neumünster.
Der schleswig-holsteinische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck beim Parteitag in Neumünster.Foto: dpa

Robert Habeck hat beschlossen, alles auf eine Karte zu setzen: Nachdem er die Grünen in Schleswig-Holstein vor vier Jahren erfolgreich in eine Regierungsbeteiligung führte, will er nun im Bund stärker mitmischen und Spitzenkandidat werden. Am Sonntag holte er sich dafür Rückendeckung von seinem heimischen Landesverband, die er bei einem Parteitag in Neumünster mit rund 82 Prozent auch bekam.

Nur wenn er breite Unterstützung erhalte, wolle er tatsächlich seine Bewerbung abgeben, hatte Habeck im Vorfeld des Landesparteitags gesagt. Er muss sich nun gegen Parteichef Cem Özdemir und den Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, durchsetzen. Wer von den dreien das Rennen um den „Männerplatz“ in der Doppelspitze macht, wird Anfang 2017 feststehen. Dann werden die rund 60.000 Grünen-Mitglieder per Urwahl bestimmen können, welches Spitzenkandidaten-Duo die Partei in die Bundestagswahl führen wird.

Habeck ist ein Charismatiker, der im Wahlkampf schon mal von der Parteitagsbühne ins Publikum sprang. Im Gegensatz zum staatstragenden Özdemir verspricht er einen Schuss Rebellentum. Gleichzeitig hat Habeck gezeigt, dass er das Regierungshandwerk versteht. Im ländlich geprägten, konservativen Schleswig-Holstein stand er als Umwelt- und Landwirtschaftsminister regelmäßig vor der Aufgabe, Bauern, Umweltschützer und Unternehmen gleichermaßen mitnehmen zu müssen.

Habeck könnte Konstantin von Notz verdrängen

Um seiner Bewerbung Nachdruck zu verleihen, verzichtet Habeck auf eine „Rückfalloption“. Er werde nicht mehr für den Landtag kandidieren, der 2017 ebenfalls neu gewählt wird, kündigte er an. Sollte er bei der Urwahl im Bund unterliegen, will er auch nicht auf dem vorderen Listenplatz für den Bundestag kandidieren.

Bei den Grünen in Schleswig- Holstein könnte Habeck mit seiner Kandidatur einiges durcheinander bringen. So kommt mit Konstantin von Notz eine weitere Nachwuchshoffnung von dort. Der Innenpolitiker hat sich als stellvertretender Fraktionschef im Bundestag einen Namen gemacht. Sollte Habeck Spitzenkandidat werden, könnte das für von Notz das Ausscheiden aus dem Bundestag bedeuten.

Habecks Bewerbung ist aber auch eine Provokation für das Vierer-Quartett im Bund, bestehend aus den beiden Fraktions- und Parteichefs. Schließlich macht er seiner Partei die Hoffnung, wieder breitere Wählerschichten ansprechen zu können.

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