Kandidatur : Lafontaine will "Die Linke" führen

Acht Jahre nach seinem spektakulären Rücktritt als SPD-Chef will Oskar Lafontaine Vorsitzender der neuen Partei "Die Linke" werden. Der Vorstand wird beim Gründungsparteitag am 16. Juni gewählt.

Berlin - Der 63-Jährige sagte am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin: "Die Ergebnisse der Urabstimmungen bei WASG und Linkspartei bestärken mich darin, entsprechend dem Vorschlag des WASG-Vorstandes gemeinsam mit Lothar Bisky für den Parteivorsitz zu kandidieren." WASG-Vorstandsmitglied Christine Buchholz sagte der dpa: "Lafontaine ist unser Mann. Er ist der Garant dafür, dass die neue Linke konsequent gegen Sozialabbau und Krieg steht."

Lafontaine ist seit 2005 neben Gregor Gysi Vorsitzender der bereits bestehenden gemeinsamen Bundestagsfraktion von Linkspartei - vormals PDS - und der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG). Bei den Urabstimmungen in beiden Parteien sprachen sich nun die Mitglieder für die Fusion aus. Bisky hatte seine Kandidatur bereits im März angekündigt und sich für eine Doppelspitze mit Lafontaine stark gemacht. Ohne Lafontaine wäre die neue linke Partei entschieden schwächer, meinte Bisky, der dafür plädiert, dass Lafontaine auch Fraktionschef bleibt.

"Für mehr soziale Gerechtigkeit kämpfen"

Lafontaine sagte, die neue Linke werde das politische Koordinatensystem in Deutschland verändern. "Ihre erste und wichtigste Aufgabe ist es, für mehr soziale Gerechtigkeit zu kämpfen und klare Signale zum Stopp des Sozialabbaus zu setzen." Die neue Partei wird gemessen an der Mitgliederzahl nach CDU, SPD und CSU die viertgrößte Kraft in Deutschland sein.

1999 hatte Lafontaine fünf Monate nach dem rot-grünen Regierungswechsel im Streit mit Kanzler Gerhard Schröder (SPD) um den Wirtschafts- und Finanzkurs seine Ämter als Bundesfinanzminister, Bundestagsabgeordneter und SPD-Vorsitzender niedergelegt. Im Mai 2005 gab er nach fast 40 Jahren sein SPD-Parteibuch zurück und unterstützte das Linksbündnis aus PDS und WASG.

Als Kanzlerkandidat gescheitert

Als Kanzlerkandidat hatte Lafontaine 1990 vor einer überhasteten Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten gewarnt und war damit am "Vereinigungskanzler" Helmut Kohl (CDU) gescheitert. Lafontaine hatte unter anderem einen Zusammenbruch von wirtschaftlichen und sozialen Strukturen in Ostdeutschland befürchtet und entgegen der damaligen Bundesregierung gewarnt, dass die Wiedervereinigung nicht ohne Steuererhöhungen zu finanzieren sei. (tso/dpa)

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