Politik : Kanthers Verteidiger fordert Freispruch

Christoph Schmidt Lunau

Wiesbaden - Was die Verteidiger im Schwarzgeldprozess gefordert haben, war absehbar: Freisprüche für den ehemaligen Bundesinnenminister Manfred Kanther und seinen Ex-Finanzberater Horst Weyrauch. Bemerkenswert war dagegen die Begründung der Verteidiger vor der Wirtschaftsstrafkammer des hessischen Landgerichts. Vor allem die Erklärung von Weyrauchs Verteidiger Eberhard Kempf zur Herkunft jener 20 Millionen Mark, die 1983 heimlich in die Schweiz transferiert worden waren, war aufschlussreich.

Dass es sich um Wahlkampfkostenerstattung oder reguläre Spenden gehandelt habe, nannte Kempf „eher unwahrscheinlich“ und widersprach damit der offiziellen Lesart der CDU. Dieses Ursprungsvermögen sei eher als Ergebnis „steuerlich unkorrekter Spendensammeltätigkeit“ anzusehen und trage das „Gepräge“ des Flickspendenskandals. Weil das Ursprungsvermögen deshalb einem staatlichen Verfallsanspruch unterlegen wäre, sei der Untreuevorwurf der Staatsanwaltschaft nicht aufrechtzuerhalten.

Manfred Kanthers Anwalt, Markus Kratz, zitierte in seinem Plädoyer vor allem seinen Mandanten. Kein Pfennig sei veruntreut, jeder Pfennig sei für die CDU verwendet worden. Das Vermögen habe der CDU stets zur Verfügung gestanden, auch wenn ihre Gremien davon nichts wussten. Kanther habe mit dem geheimen Transfer die Spender und ihren politischen Ruf schützen wollen.

Am 18. April fällt das Urteil, zwei Wochen vorher sind die Angeklagten an der Reihe. Einen Vorgeschmack auf Kanthers Schlusswort gab sein Anwalt. Er sprach von Medienhatz und abstrusesten öffentlichen Bezichtigungen. Seinem Mandanten sei nicht Untreue anzulasten, sondern „Übertreue“ seiner Partei gegenüber.

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