Politik : Kanzler eröffnet Kairoer Uni Auftakt der Reise durch drei arabische Länder

Hans Monath

Bundeskanzler Gerhard Schröder ist an diesem Samstag vom EU-Treffen in Rom zu einer viertägigen Reise nach Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) geflogen. Im Mittelpunkt steht der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen, Thema sind aber auch der Irak und die Frage, ob der Stillstand im Nahost-Friedensprozess durch eine neue Initiative überwunden werden könnte.

Dabei erwarten die Deutschen, dass auch der Vorschlag einer internationalen Friedenskonferenz eine Rolle spielt, für die sich der französische Staatspräsident Jacques Chirac einsetzt. In Ägyptens Hauptstadt Kairo wird Schröder am Sonntag außerdem die erste auf private Initiative gegründete und finanzierte deutsche Auslandsuniversität eröffnen. Die technisch orientierte Hochschule, die eng mit deutschen Universitäten zusammenarbeitet, soll den Dialog der Kulturen fördern und Deutschland als Bildungsstandort in der Region attraktiv machen.

In Berlin hieß es zudem, Deutschland bemühe sich, den langsam anlaufenden Modernisierungsprozess in Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emirate zu unterstützen. Der Kanzler wolle den Kontakt mit drei „Schlüsselländern“ des arabischen Raums vertiefen „und vor allem auch zuhören“. So gehe es darum, die deutsche Position zur Zukunft des Irak mit den Vorstellungen von Regierungen zu vergleichen, die sich im Vorfeld des Irak-Kriegs um eine Friedenslösung bemüht hatten. Auch der jüngste Vorschlag der USA für eine neue Irak-Resolution soll Gesprächsthema sein.

Deutschland will außerdem bei der Ausbildung irakischer Polizisten und Militärs mit den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammenarbeiten. Bei der Reise des Kanzlers soll nach eine entsprechenden Absichtserklärung unterzeichnet werden. Einzelheiten zur geplanten Zusammenarbeit wurden nicht genannt. Schröder hatte bereits Hilfe für den Aufbau irakischer Sicherheitsstrukturen in Aussicht gestellt und gesagt, die Ausbildung könne auch in der Region erfolgen.

Große Hoffnungen setzt die Bundesregierungen darauf, dass die Reise neue Aufträge für deutsche Unternehmen bringt. Schröder wird von über einem Dutzend Vertretern deutscher Großunternehmen und Mittelständlern begleitet. Die drei Länder gelten als wichtigste Absatzmärkte deutscher Produkte im arabischen Raum. Die Bundesregierung hofft, dass vor allem in den Ölförderländern Ägypten und Vereinigten Arabischen Emiraten nach einer verzögerten Diversifizierung nun Aufträge in Milliardenhöhe abgeschlossen werden können. Von den drei Ländern verfügen die Emirate über das größte Investitionsvolumen und haben bereits großes Interesse an Geschäften mit deutschen Unternehmen signalisiert. Was von Seiten der arabischen Partner in Aussicht gestellt werde, sei „mehr als vielversprechend“, hieß es in Berlin.

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