Politik : Kanzlerbesuch in Spanien: An der Seite der Opfer (Kommentar)

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Seit Dezember 24 Attentate mit zwölf Toten und 26 Verletzten, das ist eine mörderische Bilanz. Der spanische König Juan Carlos und die zwei Regierungschefs José Maria Aznar und der Gast Gerhard Schröder demonstrieren auf ihre Weise gegen den Eta-Terror: mit einem Treffen im Baskenland. Der neue Anschlag gibt der spanisch-deutschen Konferenz eine zusätzliche Bedeutung. Als Provokation der Eta? Das Zeichen ist jetzt ja auch so zu deuten: Die Großen stellen sich an die Seite der Hunderttausenden, die gegen Bomben als Mittel der Politik protestieren. Sie lassen sich nicht abschrecken, weichen nicht zurück, Gewalt ändert ihre Meinung nicht. Das wird Schröder - der im Oktober die Skulptur eines baskischen Bildhauers im Kanzleramt aufstellt - jedenfalls bei Aznar Respekt und Dank einbringen. Und mehr. Aznar, der Konservative, kann Schröder bei der nicht zuletzt finanziellen Renovierung der EU-Strukturen helfen; Schröder, der Sozialdemokrat, Aznar bei seinem Ziel, den Nationalstaat auch in einem Europa der Regionen zusammenzuhalten. Das wiederum haben sich die Franzosen und Briten, die mit ähnlichen Problemen wie die Spanier kämpfen, ebenso vorgenommen. So gesehen kann Schröders Verhalten über Spanien hinaus wirken. Um glaubwürdig zu sein, muss der Bundeskanzler aber nun - endlich - der Eta-Opfer gedenken. Bei den toten russischen Soldaten in der Kursk war er in der Anteilnahme schneller.

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